Die "Panzerlücke" war wohl auch ein propagandistisches Manöver, um Rüstungsausgaben, aber auch Überlegenheitsstrategien in der Öffentlichkeit einen defensiven Anstrich zu geben. Na ja, uns im Osten haben sie eingeredet, dass die Bundeswehr mit dem Dolch zwischen den Zähnen ansetzt, mit klingendem, singendem Spiel durch's Brandenburger Tor zu marschieren. Wie man mit dem Dolch im Mund nur singen konnte? Das HEUTE die 350 Bundeswehr-Leoparden ca. 2 % der Anzahl der russischen Panzer darstellen, daran ist aber nicht der Russe schuld.
Aber irgendwie war es wohl doch so, dass der Warschauer Vertrag viel mehr Panzer als die NATO besaß. Zumindest anhand meiner Modell-Vitrine kann ich das beweisen: Weit und breit kein NATO-Panzer, aber 25 Stück aus NVA und Sowjetarmee. Panzerlücke eben. Und gleich vier neue kommen dazu. Ich hatte noch mehrere Bausätze des T-72 von SDV hier herumliegen und mich in den vergangenen Tagen daran gemacht, diese zu bauen. Eigentlich nur aus der Box, mit kleinen Veränderungen.
Bereits 1978 bekam die NVA ihre ersten T-72. Typisch für die erste Serie waren die seitlich abklappbaren Tafeln zum Schutz des Fahrwerks gegen Hohlladungsgranaten (heute sagt man "gegen RPG", aber gegen unsere RPG-7 mussten wir uns ja nicht schützen...). Weiterhin habe ich versucht, den optischen Entfernungsmesser auf dem Turm vor der Kommandanten-Luke nachzubilden.
Der T-72M wurde dann die Standard-Version, hier mal mit Minenräumgerät KMT-6. Wer sich den Zusammenbau dieses Zurüstteiles ausgedacht hat, gehört ge... Auch Sekundenkleber setzt das Vorhandensein einer Klebefläche voraus!
Während die Bruderländer mit der Export-Version T-72M ausgerüstet wurden, kam in der Sowjetarmee der T-72B zum Einsatz. Diese hier dargestellte Version hat Reaktiv-Schutzelemente am Turm, das in der Sowjetarmee gebräuchliche Schutzschild für den Kommandanten und an der Seite zusätzliche Panzerplatten zum Schutz von Wanne und Fahrwerk gegen Hohlladungsgranaten (oder "gegen RPG" - hat man dann in Afghanistan gelernt...).
Ja, und nachdem ich dann schon eine leichte Aversion gegen T-72-Wannen entwickelt habe - zwei liegen noch halbfertig rum für weitere Ideen - kam das Päckchen von Thomas Fichtl mit dem VT-72. Das Original des Bergepanzers wurde gemeinsam durch CSSR und DDR entwickelt, nutzte die Wanne des T-72 und hieß auf deutsch "T-72TK". Erst 1989 begann die Einführung in der NVA. Neben der Bergung und Instandsetzung in den T-72-Truppenteilen war das Fahrzeug auch für Pionierarbeiten und zur Aufklärung von Handlungsräumen, einschließlich der Pionier- und ABC-Aufklärung vorgesehen. Interessant war, dass die äußere Form nichts mehr mit den bekannten T-55T oder BTS zu tun hatte, sondern eher an M-88 oder Pionierpanzer-1erinnert.
Das Modell hat auch SDV auf die T-72-Wanne aufgesetzt. Hier liegt auch der einzige Kritikpunkt: Die verwendeten Teile des T-72 haben Gussgrate, an den Laufrollen merkt man, dass sich die Form abnutzt. Und eine weitere Unstimmigkeit schleicht sich mit der genutzten Wanne ein. Der T-72TK hatte die halbrunden Kettenblenden am Bug nicht mehr, sondern kürze Gummielemente. Da bringt sägen Segen. Alles andere baut sich super, wenn denn nicht die SDV-typische Bauanleitung wäre. Klar besser als bei den ersten Pragas und Tatras, aber die Platzierung manches Teiles gelingt nur mit Referenzbildern. Gute findet man z.B. hier, zwar im falschen Maßstab, aber wenn die halt nicht kleiner können...
http://olivier.carneau.free.fr/kits/peco/vt72b/index_gb.htm
Zum Beispiel müssen die drei Gerätekästen # 37, 38, 39 so platziert werden, dass der Kran auf dem Aufbau liegen kann - Hinweise darauf bekommt man erst dann, wenn es zu spät ist. Beim Kran versucht SDV, in Kibris Fußstapfen zu treten: funktionierende Hydraulikzylinder. Das treibt einen zwar beim Kleben zum Haareausraufen, kommt ansonsten aber gut. Die Scheinwerfer, deren Halterungen, Gelblichter gibt es nicht oder sind lieblose Klumpen. Noch eine Macke habe ich anzumerken: zwar Bergepanzer - aber es fehlt jegliches Werkzeug. Auch andere Teile, Seile usw., muss die gut sortierte Bastelkiste liefern.
Eine Neuerung der sowjetischen Panzer, der Anschluss der Treibstofffässer am Heck an die Kraftstoffanlage wurde erstmalig beim T-72 umgesetzt. Für alle SDV-Bausätze des T-72, auch beim T-72TK gilt, dass dieses Detail nicht dargestellt wird, aber mit drei Drahtstücken schnell erledigt ist. Petners T-72-Bausatz hat es, nebenbei bemerkt.
FAZIT: Kein Kit für eine Nacht, aber in drei Nächten durchaus zu schaffen. Unterm Strich nur empfehlenswert. Und eine gute Komplettierung der T-72-Reihe. Brückenleger und Fahrschulpanzer fehlen noch...
mfg Thomas