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mimou

August 15 2005 at 5:39 AM
  (no login)

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irgendwo am ufer der ardeche lebte mimou. diese tatsache allein macht noch keine geschichte, aber vielleicht der umstand, dass mimou von sich behauptete, nie eltern gehabt zu haben.
fragte man sie, woher sie denn dann stamme, sagte sie, dass sie dem wasser der ardeche entstiegen sei.
sprach man damals die menschen auf mimou an, wurden sie redselig, obwohl man den menschen entlang der ardeche nachsagt, sie seien schweigsam, ein verschlossenes völkchen.
mimou entstamme natürlich nicht dem fluss, flüsterten sie. die kleine alte holzhütte, wurmstichig und windgeschüttelt, in der mimou lebte, sei einst von einem fischer gebaut worden. ein einsamer mann sei er gewesen, der ständig mit sich selbst redete, wissen die alten zu erzählen. irgendwann hätte er ein kind adoptiert, eben mimou. andere, die von den normalen menschen entlang der ardeche gemieden werden, erzählten, der fischer hätte eines tages sein netz eingeholt und darin hätte sie gezappelt, die kleine mimou. dann gibt es noch die geschichte von den zigeunern vom boot, die eines tages an den holzsteg der fischerhütte angelegt und für einige tage und nächte dort gehaust hätten. wilde musik sei von dort erklungen, wie tollwütig seien die zigeuner um brennende holzscheite getanzt. als sie gingen, war mimou da. wie aus den tänzen, gesängen und feuern geboren.

morgens, bei sonnenaufgang, stand mimou stets auf dem steg. stand dort, in ihrem nachthemd aus kindertagen und blickte über den fluss. noch immer hatte sie die figur eines kindes, und manchmal...wenn sie lächelte, glaubte man in das gesicht eines kindes zu blicken. die menschen am lauf der ardeche erzählten, dass sie mindestens 20, wenn nicht 50 oder gar schon 80 jahre alt sei.
wer weiß?
ja, der fluss kannte die antwort, doch wer konnte das murmeln des wassers verstehen, ausser mimou, die alles verstand.
das rot ihres nachthemds verblichen. dass gelb der giraffen, die schwarzen streifen der zebras darauf, nur noch eine ahnung, stand sie dort und lauschte dem murmeln des flusses. wer sie sah, dachte unwillkürlich an märchen, an elfen und feen, den trunk der ewigen jugend. im sonnenaufgangslicht war sie so viel…ein Vogel, ein Fisch, eine sich öffnende blume, ein stern im licht der sonne.
niemand fragte wovon sie lebe. mimou wanderte stundenlang durch die gegend, besuchte die dörfer entlang ihres geliebten flusses. lächelnd ging sie durch die straßen und begrüßte die menschen. für jeden dorfbewohner war es eine ehre, ihr eine mahlzeit anzubieten.
„stellt euch nur vor, wer heute bei mir gefrühstückt hat? unsere mimou. sie ist ein engel, ist sie nicht?“
ansonsten saß mimou die meiste zeit auf dem steg am fischerhaus und ließ ihre füsse baumeln. alleine war sie so gut wie nie. ständig saß jemand bei ihr.
beobachtete man die szene, erweckte sie den eindruck, als wären dort menschen füssebaumelnd in ihre träume versunken. doch die menschen kamen zu mimou um mit ihr zu sprechen. fragte man, warum es sie zu mimou zog, bekam man stets ähnliche antworten. dass mimou auf alles eine antwort wisse. mit allen sorgen und nöten könne man zu ihr kommen. mimou sei eine der alten weisen…und so weiter, und so weiter.
allerdings konnte keiner sagen, was sie denn nun geraten habe, welche antworten sie gegeben hätte. eigentlich hätte sie nur zugehört, hier und da genickt, tröstend den arm um die schulter gelegt, tränen geteilt, geseufzt und zugehört. und natürlich hätte sie einem zum abschied ihr lächeln geschenkt. reden hat sie wohl keiner gehört. alle liebten mimou...


an dem morgen, als man mimou abführte, versteckten sich die menschen hinter den fenstern ihrer häuser. rabelais, der bahnhofvorsteher von berrias, erzählte später, mimou habe gelächelt, als sie den zug bestieg.

fragt man heute die alten, wer in diesem windschiefen haus am ufer der ardeche gelebt habe, antworten sie, dass dies haus schon seit generationen leer stehe.
ja, sie sind verschlossen und still, die menschen entlang der ardeche.






 
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(no login)

Re: mimou

August 23 2005, 9:01 AM 

ein märchen.
vielleicht ist es noch zu früh, aber die ständigen wechsel im alter der dame- mal ist sie ein kind mal alt? und der rätselhafte schluss verwirren mich. Ja, besonders der Schluss reißt mich völlig aus dem Lesen. seltsam.
muss ich nach dem kaffee nochmal lesen...

 
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