Bleue Test Room

... just to see a board with style-switcher

CHAT CHAT SEARCH SEARCH

 

 .RETURN TO INDEX.  

Untitled

January 3 2004 at 11:19 AM

  (Login BilgeRat)
Forum Owner

 






Die Mike Hammer Story
orig. Titel:
Mike Hammer Meets The Dame
written by WordSmith
translated by Ed Home
oct.2002


1.Die Dame mit dem gewissen ‚Etwas’
Sie saß mir gegenüber auf der anderen Seite des Tisches, sehr beschäftigt mit dem Strumpfband ihrer Nylons und gab vor, mich nicht zu beachten. Es schien an der Zeit zu sein, vom Stuhl zu fallen und mich ein wenig auf dem Boden zu winden und das tat ich dann auch. Ich tat das natürlich nur, nur ihre Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, verstehen Sie?
Sie nahm mich am Arm und half mir zurück in meinen Stuhl. Es war eines dieser Drehgelenk Modelle mit 4 Rollen, das grüne Leder abgeschabt an den Ecken und auch ein neuer Anstrich wäre nötig gewesen, aber er funktionierte und meine Klienten zahlten nicht genug, als dass ich mir auch noch ausgefallene Dinge wie Möbel hätte anschaffen können.
Sie war blond mit dieser Art blauen Augen, für die weiße Wolken und Sonnenschein gemacht sind.

"Sie haben ein Problem?" fragte ich.

"Yep, vermisste Person" antwortete sie. "Ich suche nach einem Chauffeur".

Ein Chauffeur würde schwierig zu finden sein. Sie haben diese Tendenz zum Fahren und Leute, die fahren, waren schwer zu finden.

"Ich kann fahren" wagte ich zu bemerken.

"Wieviel?" fragte sie.

Das war eine heikle Frage in diesem frühen Stadium der Verhandlungen und wollte wohl bedacht sein. "Zwanzig Riesen" sagte ich. Sie durchbohrte mich mit einem dieser "Du machst wohl Witze" Blicke, der mich in der Brust traf und als Abpraller noch eine Weile meinen Kopf umrundete. Noch ein solcher Blick und ich müsste ins Hospital, und doch wollte ich mehr von diesen Blicken. Tatsächlich wollte ich all ihre Blicke sehen. Ich war glücklicherweise krankenversichert.

"OK," sagte ich "fünfundzwanzig Riesen, aber das ist alles, was ich habe".

"Abgemacht" sagte sie, "und nennen Sie mich niemals Velda".

Ich öffnete ihr die Tür zum Korridor. Eine schmale, dunkele und schmuddelige, nicht jedermann mag helle Türen. Eine flackernde rote Neonreklame von der anderen Straßenseite ergänzte das schwache Licht und gab dem Flur eine Art warmen Schein ... nicht in einer anheimelnden Weise, mehr eine Art Feuerschein. Ich liess sie vorangehen auf dem Weg über den Flur, vorbei am Eisengitter des defekten Fahrstuhls und die Treppe hinunter zum Erdgeschoss.

Draußen regnete es, dicke Tropfen zerplatzten auf dem altersdunklen Beton-Gehsteig. Der Regen reinigte die Straße vom Staub des Tages, machte sie aber gleichzeitig schlüpferig, wegen der gestrigen Zeitungen im strömenden Wasser, die wie große weiße Bananenschalen wirkten, Unvorsichtige zu verführen, auf sie zu treten. Ich konnte den Umriss eines Oldsmobil durch den Regen erkennen. Es parkte am Straßenrand, nicht weit von den Schwingtüren entfernt. Es war ein neues Model und sehr nobel. Vielleicht wurde ich am Ende doch noch belohnt.

"Warten Sie hier." sagte ich. "Sobald ich die Tür öffne, kommen sie hinterher, OK?" Als sie ihr Einverständnis nickte, blitzten ihre Augen vor Aufregung. Das entwickelte sich wirklich zu einem wundervollen Tag, diese Sorte, die du dir immer erträumst aber doch nicht wirklich erwartest.

Ich zog die Krempe meines Hutes herunter, schlug meinen Mantelkragen auf und lehnte mich fest gegen die Schwingtür. Ich fühlte meine Hosenbeine schwer werden von Regennässe, bevor ich noch den halben Weg zu ihrem Auto hinter mir hatte. Ich riss die Beifahrertür auf und wandte mich um, sie zu rufen, aber da war sie bereits dicht hinter mir.

Sie war eine elegante Dame und es gehörte sich, ihr die Tür zu halten. Als sie auf den Sitz glitt, lies sie ein langes, schlankes Bein sehen, dass an ihren Knöchel begann und nach oben zu nicht enden wollte. Mir fiel das Strumpfband wieder ein. Und sie lächelte mich an.

Es blieb keine Zeit, weiter nachzudenken, ich durchweichte allmählich. Ich rannte auf die andere Seite des Wagens und fand sie über den Sitzen lehnend, mir die Tür aufhaltend.

"Danke" sagte ich so cool ich konnte, aber in meinen Gedanken spielte diese Frau Spiele mit mir und wir beide wussten das.

"Schon OK," schnurrte sie, "lassen Sie uns fahren, wir haben nicht viel Zeit".

Ich fand den Schlüssel in der Zündung stecken und startete behutsam. Als der Schlüssel sich drehte, sprang auch meine Seele an. Ich wunderte mich über ihre letzte Bemerkung und dann fiel mir ein, dass ich keine Ahnung hatte, wohin ich sie fahren sollte.

"Lassen Sie uns einfach losfahren," sagte sie, als ob sie meine Gedanken gelesen hatte.

Der große Motor schnurrte unter der Haube, die Lichter sprangen an und die Wischer begannen einen Bogen durch den heftigen Regen zu putzen. Ich brachte den Wagen in die Gänge und wir glitten davon, ließen den trüben Schein der Straßenlaterne hinter uns und tauchten unter im Dunkel der Nacht, die Autoscheinwerfer als unsere einzigen Führer nun. Ich hatte seit einiger Zeit nicht zu ihr hingesehen und wusste doch mit jeder Faser meines Ich, dass sie dort war. Es war, als wirkte ihre weibliche Austrahlung wie ein Magnet auf meine Seele und ich fühlte mich zu ihr hingezogen. Ich fragte mich ob sie gnädig mit mir sein würde und hoffte im Stillen, dass es nicht so wäre.

"Sie fahren gut," sagte sie.

Ich ignorierte es für eine kleine Weile. Ich hielt es für klug, mich so zu verhalten. Der Wagen war wirklich eine Schönheit, verbarg Geräusche und kalte Realität der Welt außerhalb und erzeugte eine warme, behagliche Welt nur für uns beide. Ich bemerkte nun ihr Parfum, der Duft füllte meine Nase, überdeckte die feuchten Ausdünstungen meines nassen Mantels.

"Möchten sie das Radio einschalten?" fragte ich. "Sicher" sagte sie und fand einen Sender, der etwas Schnulziges von Sinatra spielte. Sie machte auf niedlich und sie machte es gut.

"Wann haben sie ihren Wagen bekommen?" fragte ich sie, dachte, eine belanglose Unterhaltung könnte ein wenig mehr den interessanten Hintergrund klären als es ein strenges Verhör vermochte, dass wir Detektive auch Grillen nennen. Nebenbei bemerkt, ich habe nicht viel von einem Koch.

"Ich weiß nicht genau," sagte sie "aber es ist ein paar Jahre her". Mein Blick wanderte unmittelbar zur Kilometeranzeige. Sie zeigte weniger als 2.000 km. "Sie fahren wohl nicht sehr viel" sagte ich. "Nicht, wenn ich muss" kam von ihr zurück.

Eine nette Antwort ... nichtssagend, aber nicht abweisend. Oh ja, sie war sehr clever. Nun, ich konnte auch clever sein, und ich war sicher besser als sie.

"Oldsmobile wie dieses sind nicht billig" sagte ich "wie kommt ein Kätzchen wie Sie dazu, eines zu kaufen?".

Sie sah aus dem Fenster, heuchelte reges Interesse an einem an der Straßenseite geparkten Polizeiauto. "Oh, ich konnte es äußerst günstig erwerben, als sein Erstbesitzer es weiterkaufte. Mögen sie Oldsmobils?" fragte sie.

Das war mir ein netter Zug ... sie versuchte die Rede auf mich zu bringen, anstatt weiter über sich zu erzählen. Nun, ich war immer noch cleverer als sie, und konnte das wieder hinbiegen.

"Sie sind ganz OK," sagte ich "aber warum fragen sie?".

Das war ein guter Zug. Ich war zufrieden mit mir.

"Weil ich einen Buick fahre" antwortete sie.

Nun begann ich ernsthaft mein Augenmerk auf das uns inzwischen folgende Polizeiauto zu richten.


2. GTA Der Auto Raub
Mein Anwalt suchte mich in der Gefängniszelle auf.
"Es sieht schlecht aus," sagte er, "Sie beide könnten 2-5 Jahre dafür bekommen". Ich fragte ihn, ob die Möglichkeit der Verlängerung bestünde, vielleicht sogar lebenslänglich. Aber wie das Leben so spielt, wenn's kommt, kommt's dicke. Leider ließ uns der diensthabende Richter mit sofortiger Verfügung frei.

"Frühstück?" bot ich ihr an, in der Hoffnung, sie würde mir ein paar Eier aufschlagen und dasselbe mit meinem Gehirn machen, damit ich endlich den Durchblick bekam.

"Gute Idee," sagte sie "Ich wüßte einen Laden, er ist klein, aber sie servieren ein großes Frühstück dort. Es ist teuer, aber ich bin mir sicher, dass wird Sie nicht stören."

Es regnete noch immer. Sie war vollkommen trocken, aber immer noch regnete es. Ich sah auf und konnte eine kleine schwarze Wolke sehen, genau über meinem Kopf. Es war wieder eine dieser Nächte.

Ich sah ihr zu, wie sie an ihrem Toast knabberte und ihren Kaffee trank. Sie hatte Klasse bis hinunter zu ihren manikürten Fingernägeln. Ich sah ihr beim Rührei-Essen zu und bewunderte dabei die perfekten Rundungen unter ihrem Blazer. Ich beobachtete verstohlen, wie sie sich durch einen Doppel-Bacon-Burger mit Käse aß, mit extra Schinken und einer Doppelportion Pommes dazu und konnte nichts anderes von ihren Wimpern denken, als dass sie geformt wären wie eines Künstlers Pinsel, nachdem sie das perfekte Auge malten. Als sie anfing, Kekse, Eier, Bohnen, Pilze, Röstbrot, Würstchen, 340g-Hacksteak und Wellenschnitt-Fritten durcheinander zu essen, verliebte ich mich in ihre Lippen. Es war das perfekte Lippenpaar, die den perfekten Mund formten, sogar als sie eben fertig war mit Käse und Ihren dritten Erdbeer-Milchshake schlürfte.

Sie hatte recht behalten mit dem Frühstück. Es war teuer.

Es würde in vier Stunden hell werden, so hell es eben in dieser grauen Stadt werden konnte. Ich dachte daran, ihr ein Taxi zu rufen, aber irgendwie passte der Name nicht zu ihr [pun: calling her a cab=sie ein Taxi zu nennen...]. Eine Stunde nach unserem Frühstück wanderten wir über die Brooklyn Bridge, sahen hinunter auf die Lichter der vielen Schiffe im Hafen unter uns. Dieses war eine Stadt, die niemals schlief, niemals Pause machte und keine Gefangenen. [pun: a rest=Pause/arrest=Festnahme]. Unter uns ergoss der Fluss Leben in die Stadt, hoffentlich schneller hinein, als wir es wieder ausgossen.

Sie bemerkte, dass ich nachdachte und schwieg. Ich schnippte meine letzte Zigarette über das Brückengeländer ins Wasser, beobachtete ihren Fall hinunter ins Dunkel. Dann erinnerte ich mich daran, dass es vermutlich besser gewesen wäre, die Zigarette vorher zu rauchen.

Ich wandte mich ihr zu und sah sie an, berührte ihre Hand mit meiner und hob meine Augen auf zu ihrem Gesicht. Meine Augen schmerzten, also tat ich sie zurück. Hinter ihren Kopf waren die Lichter der Stadt, Millionen winziger Fenster in Tausenden von Hochhäusern, und jedes warf ein paar Fetzen spärliches Licht auf uns. Aber irgendwie fing ihr Haar dieses Licht ein und verwandelte es von trübe in ein sanftes Scheinen. Sie war ein lebender Schein in einer traurigen und schlechten Stadt, ein Leuchtfeuer von Anmut, dass mich für immer dort hinausführen sollte.

Sie dreht sich zu mir um, ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen. "Sagen Sie es nicht," sagte sie.

Ich schüttelte ein wenig meinen Kopf. "Darf ich nicht doch? Bitte!" bettelte ich.

"Nein" sagte sie, und sie sagte es so sanft, dass die Worte fast meine Ohren küssten, als sie an mir vorbei in die Nacht drifteten. "Wenn Sie mich einmal Velda nennen, sind Sie gefeuert."


3. Brooklyn Bridge
Die Brücke knarrte und stöhnte unter dem nächtlichen Verkehr, der sie gedankenlos befuhr, erst zu einer Seite, dann zu der anderen, als ob der städtische Verkehr sich nicht für ein Richtung entscheiden konnte. Es wurde zu einer Metapher für mein eigenes Leben. Ich war länger Privatdetektiv, als ich mich erinnern konnte, doch wohin hat es mich gebracht? Zur Brooklyn Brücke mitten in einer tristen Nacht, mit einer sehr schönen Frau.
Es war wieder wie ´32 , außer dass es `32 noch keine Brooklyn Brücke gegeben hat, es keine triste Nacht war und es gab auch keine schöne Frau. Aber es war gerade wie `32.

Zur Zeit hatte ich Anteile für mehr als die Hälfte der Brücke. Sie versprach die Überschreibung an mich, sobald meine Bank den Scheck auszahlen würde, den ich vor Kurzem einreichte. Es war ein großer Scheck, aber die Anteile waren reserviert für meinen Ruhestand. Ich war der festen Überzeugung, die Leute würden die Brücke immer brauchen, sodass die Anteile nichts an Wert einbüßen würden.

"Wissen Sie, seit sie diesen Abend in mein Leben getreten sind, habe ich das Gefühl, das sich etwas geändert hat." Sagte ich. "Etwas wirklich großes, wirklich fantastisches, wirklich... wirklich... wissen Sie... WICHTIGES."

"Sie haben recht." Sagte sie und sah mich an mit einem, wie es schien, neuen und anerkennenden Blick. "Ich hatte mein Haar vorher nie auf diese Weise gekämmt. Meinen Sie, es sieht so besser aus?"

Ich zog sie ein wenig näher zu mir heran, ich wollte, dass sie meine Worte leise hört, Worte, die nur sie hören sollte, Worte, die ich ihr unbedingt sagen musste. Ich hatte Angst, sie würde mich für einen Dummkopf halten, aber es war mir ernst. Sie war meine Zukunft.

"Haben Sie noch mehr von diesen Anteils-Zertifikaten?" fragte ich.





4. Sonnenaufgang
Der Himmel erhellte sich im Osten als wir auf die Dockseite zusteuerten. Die Freiheitsstatue sah von uns weg, versprach den Menschen, die vom kalten, ruhelosen Atlantik her kamen, die Freiheit. Ungefähr drei Meilen weit draußen schob sich eine Fähre Richtung Hafen und ein paar Schlepper und Schuten begannen ihr Tagwerk in unwirklicher Stille. Der Nebel war ein Teil dieser Stadt, die See selber war klar. Ich drehte mich um und sah hinter mich und das ganze kalte, beängstigende Durcheinander von Beton und Eisen, dass New York war, schien wie eine andere Welt zu sein. Und da war sie, dicht bei mir, ein Voll-Weib, wie man es sich schöner nicht vorstellen kann. Ich nahm ihre Hand in meine und ging ein Stück weiter. Es fühlte sich warm an, weich, gut... und so entschied ich mich, zurückzugehen, um auch den Rest von ihr zu holen.
"Danke" sagte sie, als ich meinen Mantel um ihre Schultern legte, um die Morgenkühle von ihr fernzuhalten.

"Ich bringe Sie besser heim" sagte ich "für den Fall, dass Sie jemand vermissen sollte".

"Nein" sagte sie "niemand wird mich vermissen. Ich lebe allein". Mein Herz tat einen Sprung.

Sie begann, zurück in die Stadt zu gehen und ich folgte ihr. Ich wusste, ich musste sie an ihrer Tür verlassen. Ich hatte keine besondere Absicht, mit zu ihr hineinzugehen, aber ganz sicher wollte ich sie nicht verlassen. Mit diesem Paradoxon war ich eine Weile beschäftigt. Als wir die 38zigste hinuntergingen, versuchte ich unser Gespräch in eine neue Richtung zu bringen.

"Hier in der Gegend hatte ich mal ein Apartment," sagte ich.

"Ich auch," sagte sie, "aber ich habe es verloren. Tatsächlich waren es sogar drei."

"Schlimme Vermieter?" forschte ich nach. "Nein," sagte sie, "Ich bin sicher, sie sind hier irgendwo, ich kann sie nur nicht finden".

Plötzlich hielt sie an, bei ein paar Stufen, die zu einem Paar beleuchteter Glastüren führten, unter einem unauffälligen Vordach. "Nun gut, hier sage ich Gute Nacht," sagte sie, sich zu mir wendend.

"Ähm, ich...ähhh ... frage mich, ob... " begann ich, doch die Worte gingen mir aus. Wie fragst du eine Dame, ob du ihr einen Gute-Nacht-Kuss geben kannst um 5Uhr30 in der Frühe?

"Sie wollten mir etwas sagen?" fragte sie. Sie sagte es nicht harsch oder unfreundlich, aber ihre Frage gab mir einen Stich. Ich wusste nicht, was ich ihr antworten sollte.

"Darf ich Sie wiedersehen?" fragte ich.

"Sicher," sagte sie einfach und schnell. Sie fügte nichts zu dieser kurzen und knappen Erklärung hinzu, und ich war noch immer unschlüssig, wie ich fortfahren sollte.

"Heute? Mittagessen? Ein spätes Mittagessen?" Fragte ich hoffnungsvoll.

"Vielleicht" sagte sie, und wandte sich zum Gehen, die Stufen hinauf. Sie ging durch die Glastüren und verschwand drinnen im Halbdunkel. Ich sah ihr nach... Ich wusste nicht, was ich sonst hätte tun oder sagen sollen, und ich wusste ihre Apartment- oder Telefonnummer nicht. Falls wir uns wiedersehen sollten, lag es bei ihr. Ich war mir ganz sicher, sie würde mich irgendwann anrufen, nur wusste ich nicht, zu welchem Zeitpunkt. So musste ich denn zurück in mein Büro und auf ihren Anruf warten.

Die Sonne war zur Gänze aufgegangen, als ich zurück zum Büro kam. Als ich die schmutzigen Stufen hochging, hörte ich drinnen ein Telefon läuten. Das konnte sie noch nicht sein, ich wusste es war noch zu früh. Sie würde schlafen und dieser hübsche Kopf würde auf einem glücklichen Kissen ruhen. Es war wahrscheinlich mein Vermieter, der seine Miete forderte.

Ich wollte grade meine Hand in die Manteltasche stecken, um den Türschlüssel zu finden, als mir bewusst wurde, dass ich keine Manteltasche bei mir hatte.

Leise sagte ich zu mir selbst, "Was hast du mit mir gemacht, Velda?"


5. Himmelstür
Ich stand im Korridor, starrte zu Boden und überlegte, was als nächstes zu tun sei. Der rote Teppich war ausgeblichen und fadenscheinig an einigen Stellen, und überall lag Papier- und anderer Abfall herum. Ich musste in mein eigenes Büro einbrechen, und das ohne die Hilfe meines Dietrich-Schlüsselbundes. ... denn auch dieses befand sich in meiner Manteltasche. Alles, was ich hatte, war eine Karte vom "Hoboken Landstreicher Reise Dienst" einem Anbieter von Bahnreise-Billigst-Tickets, und sechs Cent, das magere Rückgeld vom Frühstück.
In diesem Moment hatte ich eine großartige Idee: ich würde mein Handy anwählen und wenn sie sich meldete, ihr die Situation erklären. Alles was ich brauchte, war ein Telefon, doch das befand sich in meinem Büro und ich hatte kein passendes Kleingeld für ein Münztelefon.

Ich schob die Karte in den Türschlitz, und tastete nach der Verriegelung im Türschloss. Ich fand sie und mit ein wenig Rütteln und Geschick bekam ich es hin, die Karte zu biegen. Dann versuchte ich, fünf der Münzen in den Spalt zu schieben, in der Hoffnung, den Riegel damit zurückzuschieben, aber alle Geldstücke fielen durch und landeten auf dem Boden hinter der Tür. Ich denke, es war mein sechster Cent [pun: sense/cent=Sinn], der zu mir sprach.

Ich ging zur Rückseite des Hauses und sah zu meinem Bürofenster hinauf. Ich erklomm die Feuertreppe und rüttelte am Fenster. Ich war nie in der Lage, das Fenster von innen zu öffnen und nun sah ich auch warum. Es war zugekittet mit einer 20-Jahre alten Schicht von billiger Farbe und nichts lies sich bewegen. Das Fenster zur Toilette stand offen, aber es war nur eine kleine Öffnung, viel zu klein, um mich hindurchzuquetschen.

Also ging ich zurück zur Vorderseite des Gebäudes und versuchte mich an der Hausmeistertür. Niemand antwortete, was ich auch nicht wirklich erwartet hatte, denn nach dem "Codex der Türen" pflegen Türen nicht zu reden.

Da stand ich also vor meiner Bürotür, starrte sie an und versuchte, logisch zu denken. Ich ging wieder ins Erdgeschoss und versuchte mich zu erinnern, was ich im Kursus für Privat Detektive gelernt hatte, konfrontiert mit einer hölzenern Tür und ohne Dietrich. Mein Ausbilder sagte einmal zu mir: "Hammer, sie brauchen eine Säge" [aber auch: saw = Präterium von sehen] und dann lachte er und die ganze Klasse mit ihm. Ich habe nie verstanden, warum. Jedenfalls brauchte ich eine Säge, eine alte... "Wer zuletzt lacht, lacht am besten," versuchte ich mir einzureden, es half nicht.

Schließlich kam ich darauf, das Türglas zu zerbrechen und von innen zu öffnen. Ohne meinen Mantel, der das Geräusch gedämmt hätte, hoffte ich, dass mich niemand hörte, als ich Feuerlöscher anhob und damit vorsichtig an eine Ecke des Glases tippte. Aller Bemühungen zum Trotz tat gewaltigen Schlag und ich hatte einen Scherbenhaufen. Ich schob die Teile des zersprungenen Feuerlöschers beiseite und sah mich nach etwas anderem um, mit dem ich das Glas zerstören konnte. Alles, was ich finden konnte, war ein Lösch-Eimer, gefüllt mit Sand, alten Zigarettenkippen und einem Fetzen von einem Florida Wahlzettel mit der Aufschrift "Bush" und einem Aufkleber "Printed in Texas" auf der Rückseite.

Es blieb mir nicht übrig als den Eimer mit Schwung gegen das Glas zu schleudern, was ich auch tat. Ich hatte nicht erwartet, dass der Henkel sich löst und so segelte der Eimer durch das Türglas hindurch, quer durchs Büro und aus dem Fenster hinter meinem Schreibtisch. Jedenfalls konnte ich nun so hineingelangen.

Ich griff mit meiner Hand durch das Loch in der Scheibe und drehte am Knauf. Verflixt, es war abgeschlossen! Als ich meine Hand zurückzog berührte ich den Schlüssel, den ich gestern Abend außen im Schloss hatte stecken lassen. Der zweite Versuch mit dem Türknauf funktionierte traumhaft und ich stieß die Tür auf, beim Öffnen das meiste Glas beiseite schiebend.

Ich nahm hinter meinem Schreibtisch Platz und öffnete die Schublade. Ich entnahm eine meiner Visitenkarten (ich konnte mir nie meine eigene Handynummer merken) und die Flasche Whisky, die auch dort drin lag. Ich nahm einen langen tiefen Schluck davon ... man, das tat gut. Ich weiß nicht, woher diese Schlucke kommen, die man nimmt, aber der Whiskey verleiht ihnen den richtigen Geschmack.

Ich nahm den Hörer von der Gabel und begann meine Handynummer zu wählen. Ich freute mich darauf, ihre Stimme wiederzuhören, wußte sie würde verstehen, wenn ich erklärte, was vorgefallen war. Sie würde unverzüglich handeln und zu mir herüber fahren mit meiner Jacke. Vielleicht konnte ich ihr einen Drink anbieten, vielleicht auch nur einen Schluck und vielleicht... wer weiß... ?

Der Wählvorgang war abgeschlossen und nach einer kleinen Pause wurde die Nummer verbunden. Schließlich hörte ich es klingeln. Das Handy, dass an meinem Gürtel eingeklinkt war, begann seine vertraute Melodie zu spielen.


6. Der Morgen
Ich musste mit ihr in Verbindung kommen, aber ich war nicht gleich sicher, wie das zu geschehen hätte. Das Erste, was ich nun zu erledigen hatte, war meine Kleider zu wechseln und mich selbst ein wenig frisch zu machen. Ich ging hinüber zum Badezimmer und war geschockt, was ich dort sah ... das Klo war gestohlen worden während der Nacht. Ich suchte nach Anhaltspunkten, fand jedoch keine. Das winzige Fenster war der einzige Weg von und zu meinem Büro. Ich wusste irgendwie hatte die Tat mit dieser Frau zu tun, aber ich konnte den Zusammenhang zu ihrem Fall nicht erkennen. Ohne ein Klo hatte ich nichts zum weitermachen [pun: go on =fortfahren/aufs Klo gehen].
Ich telefonierte nach einem Glaser, der die Scheiben in der Tür und im Fenster reparieren sollte. Ich konnte das Büro nicht in diesem Zustand lassen, auch wenn ich nichts von großem Wert besaß.

Während ich auf den Glaser wartete, rief ein Kerl aus Baltimore an, sagte er würde mir alles zahlen, falls ich seine verlorene Katze wiederfinden würde, aber ich wusste, er war nur ein Zeitverschwender, als er fragte, ob er mich gleich sehen könne. Es gibt keine Möglichkeit, mich von Baltimore aus zu sehen ... es ist zu weit weg. Ich hasse es, wenn mich Leute zum Narren halten wollen.

Als der Glaser eintraf, war es natürlich einer dieser witzigen Wie-kam-es-dazu-dass-beide-Fenster-zerbrachen-Frager. Nach einer Stunde hatte ich genug davon, und entschloss mich, er war fast fertig, nach draußen auf die Feuertreppe zu gehen, um den Löscheimer zurückzuholen, den ich vorher geworfen hatte. Ich war nicht wirklich am Eimer interessiert, aber so ich kam weg von den Fragen. "Ist es in Ordnung, wenn aus dem Fenster steige?" fragte ich. "Ich bin ohnehin gerade dabei, es zu fixieren. Passen sie auf, dass sie es nicht kaputt machen, wenn sie wieder reinkommen, eh!" Da wusste ich, er kam aus Oklahoma.

Draußen auf der Feuertreppe war kein Zeichen vom Eimer zu sehen. Ich begutachtete das Klo-Fenster und bemerkte kleine Fingerabdrücke im Schmutz um den Rahmen. Ich hatte sie vorher nicht bemerkt, weil es zu dem Zeitpunkt noch keine Anzeichen für verdächtige Umstände gab. Ich sah über das Treppengeländer und unten konnte ich den Eimer sehen. Daneben lagen auch die zerbrochene Reste meiner Toilette. Und ein alter Mann, der sehr tot zu sein schien.

Ich ging hinunter und schob die Mülltüten und Kartons beiseite, um zu ihm zu gelangen. Er war nicht tot, nur bewusstlos, entweder von der dicken Beule an seinem Kopf oder von dem Alkoholdunst, der von ihm aufstieg. Ich schüttelte ihn wach.

Er kam langsam zu sich, seine Augen versuchten etwas zu fixieren. "Was ist passiert?" fragte er. "Das wollte ich sie gerade fragen" sagte ich.

"Ich ging gerade hier vorbei, als ... WUMM!" sagte er. Es musste das Klo gewesen sein, dass ihn getroffen hatte... er guckte immer noch glasig.

"Leute gehen nicht einfach in einer Sackgasse unter meinem Bürofenster vorbei" entgegnete ich. "Wie ist ihr Name?"

"Lou" sagte er. Ich hätte es wissen sollen.

[pun:Loo=Klo] Er erzählte eine Menge von Nichts und es wurde klar, soweit auch mein Klobecken in dieser Angelegenheit beteiligt war, er war lediglich ein Rumtreiber. Er war alles in Allem zu stumpfsinnig, um irgendetwas anderes zu sein.

Es begann wieder zu regnen und ich hatte keinen Wunsch, diese Unterhaltung zu verlängern. Ich hatte eine prachtvolle Blonde zu finden und es war an der Zeit, dass ich ihren Anruf erwarten konnte. "Sehen Sie" sagte ich, "Ich möchte noch einmal mit Ihnen sprechen. Hier ist meine Visitenkarte. Kommen Sie, wenn es genehm ist" [pun:..see me at my convenience=kommen Sie und sehen mich auf meinem Klosett].

"Sie haben keines, Mister" entgegnete er vernünftigerweise. Diese Oklahomers kamen überall klar. Mit dem wiedergefundenen und nun leeren Eimer in meiner Hand ging ich zur Vorderseite des Gebäudes, als der Glaser gerade die Türen seines Wagens schloss. "Alles fertig. Es regnete, so schloss ich das Fenster für sie und lies meine Rechnung auf ihrem Tisch" sagte er fröhlich und fuhr davon.

Ich ging die Treppe hinauf. Gerade als ich in den Flur trat, hörte ich das Telephon klingeln und dann den Anrufbeantworter anspringen. Als ich zum Knauf griff, hörte ich ihre Stimme... "Mike, sind Sie da?" .

Die Bürotür war abgeschlossen.


7. Nochmal dasselbe
Der Eimer war leichter ohne Henkel. Dieses Mal brach er nur die Glasscheibe der Tür. Und wieder griff ich mit meiner Hand durch das zerbrochene Glas einer Tür und tastete nach dem Riegel. Es öffnete und ich trat ein, mit stoischer Ruhe die Schlüssel mitten auf den Tisch bemerkend, die der stupide Glaser dummerweise dort hingelegt hatte. Wie hatte der sich gedacht, sollte ich wohl in mein Büro kommen? Das Fenster hinter meinem Tisch, durch das ich vorhin ausgestiegen war, stand noch immer sperrangelweit offen. Dafür war das Klo-Fenster fest verschlossen.
Oklahoma. Wenn ich mit diesem Job fertig war, hatte ich etwas in Sachen Oklahoma zu erledigen.

Die Dame hatte keine Telefonnummer hinterlassen oder andere Anweisungen. Sie hatte gerade aufgelegt. Ob sie erneut anrufen würde? Es gab darauf keine Antwort.

Erneut rief ich den Glaser an. Vermutlich sah er sich grade die Ed-Sullivan-Show an oder ähnliches, weil er die ganze Zeit nicht aufhörte zu lachen, während ich ihm zu erklären versuchte, dass ich ihn noch einmal für die Reparatur der Tür benötigte. Ich fragte ihn, warum er das Toilettenfenster geschlossen hatte und er sagte, es wäre, um die kleinen Affen draußen zu halten, die ihre Erdnüsse überall auf dem Badezimmer Fußboden verstreut hatten. Nachdem ich aufgelegt hatte, ging ich nachsehen, und er hatte Recht ... da drin lagen vielleicht ein Dutzend Erdnüsse ohne Schale auf dem Boden verstreut.

Ich nahm eine neue Packung "Chesterfield PI Spezial" aus meinem Schreibtisch und rauchte eine. Der Rauch kringelte sich um meine Finger und trieb in Ringen hinauf zur braun-grauen Decke. Ein paar Fliegen summten um den Lampenschirm, der unsicher an einem Paar zusammengedrehter Kabel hing, die von Spinnweben umgeben waren, und vermutlich bei Berührung tödlich.

Ich rauchte noch eine, genoss die paar Minuten des ruhigen Nachdenkens, die ich dadurch hatte. Ich wollte diese Frau wiedersehen. Ihr Bild wuselte durch meine Gedanken und ich wusste, sie war zu gut für mich, aber immer noch wollte ich sie wiedersehen. Nur wie?

Das Gesicht des Glasers tauchte plötzlich in dem Loch auf, wo sonst Glas die Tür meines Büros zierte. "Habe ich Sie nicht vor kurzem gesehen?" witzelte er. Das würde ich ihm nicht vergessen. Oklahoma würde dafür eines Tages bezahlen. Während er seinem Handwerk nachging, steckte ich mir den Büroschlüssel in die hintere Hosentasche. Das würde mir nicht noch einmal passieren, nein Sir ... Ich mag eine Menge sein, aber niemand nennt mich dumm.

Als er fertig war, schrieb er mir die Rechnung und gab sie mir. Er war kaum in der Lage sein Lachen zurückzuhalten, aber ich sagte ihm, es wäre besser für seine Zukunft, dass er es tat. Ich steckte beide Rechnungen auf den Spiess ... ich würde sie erst nächsten Monat bezahlen, oder den Monat darauf. Das würde ihn lehren.

Nun, es war wieder an der Zeit, auf die Straße hinauszugehen und diese Frau zu finden. Davon abgesehen wurde es langsam kalt im Büro mit diesem weit offenen Fenster. Ich versuchte es, herunter zu ziehen, doch durch die alte Farbe verklemmte es. Ich zog ein wenig stärker, es rührte sich immer noch nicht. Drum ruckte ich es vorsichtig, und doch mit aller Gewalt nach unten. Es lies sich nicht schieben.

"Nun" dachte ich "dann bleibt es eben offen, verdammt noch mal."

Ich verlies das Büro und schloss die Tür hinter mir mit einem leichten `Klicken`. Aus dem Inneren des Büros hörte ich das Geräusch eines sich plötzlich schließenden Fensters. Und danach das Geräusch von zerspringendem Glas.

"Oklahoma" war alles, woran ich denken konnte.

Ich ging die Treppe hinunter.


8. Ich fand sie wieder
Ich ging durch die nassen Strassen. Ich steuerte wieder auf die Glastüren unter dem Vordach zu, wo ich "sie" in den frühen Morgenstunden zurückgelassen hatte. Ich ging durch den Central Park, wo die Bäume mir ein wenig Schutz vor dem Regen gewährten, doch die Eichhörnchen warfen Eicheln und Haselnüsse auf mich, aus der Deckung ihrer Baumwipfel. Ich sah nichtzu ihnen auf oder zeigte irgendeine Reaktion, ich ging einfach weiter von Baum zu Baum, dem Regen soweit ich konnte, ausweichend. Ich wusste, wo diese Eichhörnchen herkamen, alles klar. Eines Tages würde ich meine Rache bekommen, das war sicher.
Auf der East Side rauskommend, lief ich Spießruten zwischen den Taxen und Stadtbussen, als ich zur anderen Straßenseite wechselte, wo einige Läden Markisen hatten. Mir war kalt, mein Hemd war durchnässt und ich begann zu zittern. Ich hielt bei einem Juwelier an, sah durch das Schaufenster und fragte mich, ob eines Tages ... vielleicht sie und ich...

Ich ging hinein. Der Ladenbesitzer war ein kleiner Kerl und sah mich nervös an. Ich konnte seine Finger heimlich Richtung Alarmknopf tasten sehen, der unter der Kasse verborgen war. Als er ihn fand, wirkte er sichtbar erleichtert.. "Kann ich Ihnen helfen" fragte er.

"Ich habe mich nur über den großen Stein in ihrer Auslage gewundert."

"Ah" sagte er, "Sie meinen wohl das in Gelb-Gold gefasste 80-karat Diamant Set, welches nachweislich in der Napoleon Ära datiert ist, doppelt gefasst von 24 perfekt ausgesuchten Rubinen und Saphiren, jeder Stein mit 2 ganzen Karat. Mit 18.000 $ ist es der teuerste Ring im Laden."

"Nein", sagte ich. "Ich meinte den großen Stein, jemand hat ihren teuersten Ring gestohlen".

Als ich bei ihrem Apartment ankam, fühlte ich mich ziemlich schlecht. Die Stufen kamen mir steiler und länger vor, als gestern und die Glastüren ließen sich schwerer öffnen, als ich erwartet hatte. In der Lobby war eine dieser 2-Wege Türsprechanlagen mit Klingel-Knöpfen für die Wohnungen. Ich schaute auf all die Namenschilder und wusste sofort, welcher ihres war ... es war dasjenige ohne Namen darauf. Eine Dame wie sie würde nicht ihren Namen auf etwas wie dieses setzen, dass womöglich Unerwünschte anziehen könnte, und es erklärte, warum sie dauernd ihr Apartments verlor, weil sie sich nicht erinnern konnte, ob sie dort lebte, oder nicht. Ich drückte auf den Tür-Summer.

Ein paar Sekunden später wurde ich durch ein "Hallo?" belohnt. Es war ihre Stimme ... in Ordnung, blechern und verzerrt durch die Sprechanlage, aber unmissverständlich ihre. Ich war plötzlich unsicher, was ich antworten sollte.

"Hallo, ich bin's, Mike", sagte ich, "ich wolte nur mal schauen, ob sie da sind."

"Warten sie eine Minute und ich werde es herausfinden" sagte sie.

Kurz darauf war sie zurück. "Ich fragte, ob hier irgendjemand mit meinem Namen ist, aber ich bekam keinerlei Antwort," sagte sie.

Ich fühlte mich fiebern. "Kann ich hereinkommen?" fragte ich.

"Eigentlich sind sie genau der, auf den ich gewartet habe" sagte sie. Mein Herz tat einen weiteren Sprung. "Jemand hat meine Toilette gestohlen".


9. Mehr Nüsse
Ich öffnete die Badezimmertür und überblickte die Szenerie. Es war ein nettes, ordentliches Badezimmer mit blauem Waschbecken, blau-weißen Fliesen bis zur halben Raumhöhe und weiß gestrichen an den übrigen Wandflächen. Nur die Erdnüsse auf dem Boden verschandelten die Ansicht, das Bad-Fenster stand offen, und das Klo-Becken war entweder gestohlen oder spielte ein großartiges Versteck-Spiel. "Was ist passiert" fragte ich. Sie zuckte ihre Achseln. "Haben Sie etwas ungewöhnliches gehört oder gesehen?" Wieder ein Achselzucken. "Können sie mir irgend etwas geben, dass mich weiterbringt?" [pun: something to go on= etwas, auf dass ich gehen kann] fragte ich. Sie reichte mir einen Eimer.
Ich fühlte den Raum ein wenig schwanken und dann rann mir ein großer Schauer durch und durch. Ich lehnte mich gegen den Türrahmen, hatte einen Schweißausbruch und schnappte nach Luft. "War ich so gut?" fragte sie und sah ein wenig verwirrt aus. Ich schüttelte meinen Kopf, versuchte verzweifelt die das Durcheinander meiner Gedanken zu klären. .. es funktionierte nicht. Und ich merkte, wie ich anfing, unerbittlich zu Boden zu gleiten.

"Ich sollte Sie besser ins Bett bringen" [pun:bekommen] hörte ich sie sagen.

"Verzeihung, nicht jetzt, später vielleicht" konnte ich noch antworten.

Ich erinnere mich an wenig danach. Da waren ein paar seltsame Träume, über Erdnüsse und Kloschüsseln, Leuten mit [Pinkel-]Pötten und ohne, und Jahrmarkt-Musik. Der Himmel weiß, wie lange ich immer wieder in den Zustand des Halb-Bewusstseins zurückfiel. Aber am Ende wachte ich auf, sah mich um und fragte mich, wo um alles in der Welt ich war.

Es war ein Schlafzimmer, jedoch nicht meines. Es war weder ein Geräusch im Zimmer zu hören, noch von Räumen außerhalb der geschlossenen Tür. Von hinter den Vorhängen, die ein hohes Fenster verdeckten, konnte ich Straßenlärm hören, den Lärm von Menschen, einer Stadt. Ich war mir ziemlich sicher, noch in New York zu sein, aber wo in New York? Dann erinnerte ich mich an die Blondine, dass ich nass und mir kalt gewesen war und sehr unwohl.

Und außerdem war ich nackend.

Draußen war es Tag. I vermutete, Morgen oder vielleicht Nachmittag. Es war wahrscheinlich wochentags, oder vielleicht ein Samstag. Ich lausche wieder auf Geräusche aus dem Apartment, konnte aber immer noch nichts hören. Da war ein Kleiderschrank am Fußende des Bettes und ich war mir sicher, meine Kleider würden darin sein. Jetzt war ein guter Zeitpunkt, es herauszufinden.

Ich schlug die Bettdecke zurück und schwang hurtig meine Beine aus dem Bett. Ich war überrascht, wie schwach ich war, und noch mehr überrascht, als meine Füße nicht den Boden fanden, sondern den Eimer.

Die Tür öffnete sich und herein kam die Dame. Ich schlug das Bettzeug über meinen nackten Körper und die Beine, sobald ich das Öffnen der Tür bemerkte. Ich war mir ziemlich sicher, davongekommen zu sein.

"Oh gut, Sie sind wach" sagte sie. "Ich werde Ihnen eine Suppe machen. Mögen Sie Hühnchen?"

"Äh, ja, mag ich ... Danke".

"Seltsam," sagte sie "Ich hätte Sie niemals für diese Sorte Mensch gehalten. Ich werde keines töten. Wie wär's stattdessen mit Pilzen?"

Sie öffnete die Vorhänge und helles Tageslicht flutete in den Raum, tat mir ein wenig in den Augen weh. Sie holte ein Handtuch aus dem Schrank und wandte sich zu mir und sah mich an. "Ich werde Ihnen in einer Minute ihre Sachen holen. Ich habe sie für Sie gereinigt." Und einen Ton ernster werdend fügte sie hinzu "Nun, ich weiß, es geht Ihnen nicht gut, aber bitte versuchen sie nicht im Eimer zu stehen. Ich habe nur den einen." Mit diesen Worten gab sie mir das Handtuch und verlies den Raum.

Der Eimer ... ich hatte den Eimer vergessen. Ich zog meine Füße so heftig zurück, als ob ich Gefahr lief, einen elektrischen Schlag zu bekommen. "Verdammt" dachte ich, "das war dumm von mir. Wenigstens kann ich meine Füße mit diesem Handtuch trocknen."

So trocknete ich denn meine Füße ab und stand auf, untersuchte den Boden mit meinen Füßen und versuchte festzustellen, ob ich gehen konnte, nach meinem vorherigen Schwindelanfall. Ich ging wie ein Kleinkind, den ganzen Fuß aufsetzend, von der Ferse über die Zehen abrollend, um das Bett herum. Die Tür öffnete wieder und die Dame kam herein, mit einem Stapel Kleidern auf dem Arm, die ich als meine eigenen erkannte.
Da war nichts, hinter dem ich mich hätte verbergen können. Ich stand nur da, bewegte mich nicht, sagte nichts, atmete nicht einmal, überlegte nur, ob ich vielleicht immer noch einen meiner schlechten Träume hatte. Sie legte wortlos meine Sachen auf das Bett und wandte sich zum Gehen. Beim Schließen der Tür drehte sie sich noch einmal um und sagte "Das Badezimmer ist gleich gegenüber. Waschen Sie dort Ihre Füße und trocknen Sie sie mit dem Handtusch ab, dass ich Ihnen gerade gab." Danach schloss sie die Tür und lies mich in blödem Schweigen zurück.

Ich starrte auf die Tür.

Ich starrte weiter auf die Tür.

Ich starrte immer noch auf die Tür.

Dann hörte ich eine Stimme von irgendwo aus dem Apartment rufen "Ach ja, verzeihen Sie, falls ihre Kleider ein wenig eingelaufen sind".


10. Ein gebrauchter Tag
Ein wenig eingelaufen? Diese Kleider waren so hartgekocht, dass, wären sie Dialogtext, sie sogar Fred McMurray in Verlegenheit gebracht hätten. Meine Boxer-Shorts und die Hose anzuziehen trieb mir schier das Wasser in die Augen. Ich musste sie wieder ausziehen, bevor ich die Socken überstreifen konnte ... mich zu bücken, wäre mir sonst unmöglich gewesen. In mein Unterhemd konnte ich mich noch hineinstopfen, aber das Hemd würde mir nie mehr passen.
Aber es war lieb von ihr. Sie hatte so viel für mich getan, hatte mich gesund gepflegt, als ich Fieber hatte, was kümmerte es, dass sie nicht gut mit Wäsche umgehen konnte? Ich entschied, jemanden dafür einzustellen, sobald wir verheiratet waren. Alles schien sich zum Guten hin zu entwickeln. Ich sah auf die Pilz-Suppe, die sie gebracht hatte. Die Pilze sahen sehr lecker aus, die auf dem abgekochten Wasser schwammen, aber mein Appetit war noch nicht wirklich bereit für so etwas. Also brauchten wir auch einen Koch, oder vielleicht könnte ich das Kochen für sie übernehmen? Sie war alles, was ein Kerl wie ich brauchte, auch wenn sie weder den Haushalt meisterte, noch das Kochen oder das Autofahren.

Autofahren ... etwas nagte an mir bezüglich ihres Fahrens. Nach all den Jahren als Privat Detektiv hatte ich gelernt meine nagenden Gefühle zu respektieren.

Mein Hemd über dem Arm trat ich ins Wohnzimmer, wo sie saß. "Mögen Sie John Wayne?" fragte sie. Die Frage überraschte mich. "Nicht speziell" sagte ich. "Gut, dann hören Sie auf, seinen Gang zu imitieren" entgegnete sie. "Es sind meine Hosen" protestierte ich.

"Ist für gewöhnlich so mit Männern" sagte sie. ("It usually is with men" "Männer tragen für gewöhnlich Hosen"?)

"Nein, ich meine, die Hose ist ein wenig zu klein, aber das geht ist in Orndung ... Ich sollte ... ohnehin etwas abnehmen". Das war das Beste, was mir einfiel. Ich wollte neben ihr Platz nehmen. "Aber es tut mir leid, ich passe nicht in dieses Hemd." Ich hüstelte und nahm Abstand von jedem weiteren Versuch, mich setzen zu wollen, und fuhr dann fort mit einer tieferen, weniger angestrengten Stimme "Besteht irgendeine Aussicht, in Ihrem Buick zurück zu meinem Büro zu fahren, damit ich mir ein frisches Hemd überziehen kann?"

Sie sah mich ein paar Sekunden lang ausdruckslos an. "Haben Sie neulich nicht zugehört?" sagte sie in einem langsamen und bedächtigen Tonfall, als ob sie mit einem Idioten sprechen würde. "Ich verlor meinen Chauffeur. Er war in meinem Auto, als ich ihn verlor".

Ich konnte wohl kaum in meinem Unterhemd durch die Stadt laufen und sie würde mich auch nicht lassen, in Anbetracht der Tatsache, dass ich so krank gewesen war die vorangegangenen letzten Tage. Sie starrte für ein paar Sekunden auf meine Brust, bis ich anfing, mich deswegen unwohl zu fühlen. Wir Männer haben unseren Stolz, wissen Sie, und in dieser Weise beäugt zu werden, war sehr beunruhigend. Wir machen das ja auch nicht bei Frauen, oder? Aber weil sie es war, sagte ich nichts. Sie war so schön. Diese ihre Augen funkelten wie Sommersonnenlicht auf einem Ozean der Träume. "Wie groß ist ihre Brust?" fragte sie. Ich dachte, dieses Baby wurde ein wenig heiß meinetwegen. Gut, ich konnte das verstehen, aber ich war entschlossen, stark zu sein und mich nicht in etwas hineinziehen zu lassen. "44-inch" [111,76cm Umfang] sagte ich hoffnungsvoll.

"Prima. Ich habe auch einen 44-inch-Brustumpfang" sagte sie. "Wir beide haben die gleiche Größe" Das war auch etwas, dass ich an ihr mochte, sie kannte sich mit Nummern aus.

Sie stand auf und ging in ihr Zimmer, und während sie ging, fragte ich, ob etwas dagegen hätte, wenn ich ein Ortsgespräch führen würde. Das war sehr nett von ihr, als sie sagte, sie würde ein paar Minuten brauchen, um etwas Passendes zum Anziehen finden. Das waren definitiv erfreuliche Aussichten, aber ich hatte zu arbeiten. Ich rief den Glaser an und vereinbarte ein Treffen für 45 Minuten später an meinem Büro. Hemd oder nicht, ich musste zurück in mein Büro. "Das Glas ist wieder kaputt?" fragte er. Ich konnte seinen Sarkasmus durch seinen Akzent hindurch heraushören. Vor ein paar Tagen hätte ich gesagt, er käme aus der Bronx, aber je länger ich ihn hörte, desto sicherer war ich, sein Akzent war der eines in Oklahoma geborenen und aufgewachsenen. Er würde schon sehen, was ihm das einbrachte.

Dieses Mal brachte es ihm nichts ein. Tatsächlich wünschte ich, als wir durch die Stadt gingen, er wäre von einem wichtigen Job aufgehalten worden, oder Verkehr oder einer persönlichen Krise oder sonst etwas, aber Fortuna war nicht mit mir. Er saß in seinem Wagen und beobachtete uns, als wir um die Straßenecke bogen. Ich konnte seine Kinnlade fallen sehen, als er uns sah. Der Gang von ihrem Apartment bis hierher war mir sehr schwergefallen, aber diese letzten 100 m auf dem Gehweg zu meinem Büro, waren die schwersten. "Ignorieren Sie ihn einfach, Mike" sagte sie. Wir versuchten es, aber es war nicht einfach. Es war nicht nur die Art, wie meine Hosen in der Leiste einschnitten, jeden Schritt zu einer delikaten Angelegenheit werden ließen und mir den Gang eines Ballett-Tänzers auf dem Eis verliehen. Es war mehr die Art, in welcher die Rüschen ihrer 44`er leuchtend pinkfarbenen Bluse meinen Hals kitzelten und unter dem Arm spannten. Ich war es nicht gewohnt, Sachen wie diese zu tragen.

Es dauerte wenigstens 10 Minuten bevor er uns ins Haus folgte, währenddessen ich mich schon in meinem Büro umgezogen hatte. Auch wenn er von Zeit zu Zeit auf die Straße hinaus zu seinen Wagen stürzte und sich ein Stück Kleidung in den Mund stopfte, er fuhr fort, das Fenster zu reparieren, ohne ein einziges Wort zu sagen. Als ich seine dritte Rechnung auf den Spieß rammte, dachte ich, das es ein Glück für ihn war.

Es war ein Glück für ganz Oklahoma.


11.Es verdichtet sich
Ich sah sie an, wie sie so dasaß im Besucherstuhl. Sie war die schönste Frau, die ich je gesehen hatte; gemacht aus himmlischem Gold, gegossen in eine ausgezeichnete, einmalige Form, auf Erden wandelnd, um jede andere Frau vor Neid erblassen zu lassen.
"Erzählen sie mir von Ihrem Chauffeur. Irgendeine Ahnung, warum er verschwunden ist?"

Diese prächtigen Augen sahen mich an und ich fühlte den Rest der Welt dahinschmelzen. Ich zwang mich selbst zur Aufmerksamkeit, zur Professionalität. "Nicht wirklich" sagte sie und zuckte mit den Schultern als Zeichen ihrer Hilflosigkeit. Hilflosigkeit ... Ich wollte meine Arme um sie legen und ihr sage, dass alles gut wird und ich mich um sie kümmern würde. "Vielleicht mochte er das Auto, oder vielleicht dachte er, ich hätte den FLASH darin."

Ich verstand ihre Antwort zunächst nicht. Ich hatte angenommen, dass ihr Chauffeur durch die Schuld von jemand anderem abhanden kam und nicht, dass er selber abgehauen war. Und von dem FLASH dachte ich, es wäre eine nichtssagende Bemerkung über den DC Comic Charakter. Aber eine andere Frage formulierte sich in meinem Kopf ... wer war eigentlich diese Frau, die aussah, wie ein Hauptgewinn, die einen Chauffeur für einen alten Buick hatte, und die anscheinend nicht arbeitete? Ich fragte sie das, natürlich in weniger Worten. Ich sagte nur "Wer sind Sie?"

Sie überlegte kurz und kam dann zu einem Entschluss. "Kennen Sie Flyboy Industries?" fragte sie mich. Ich nickte. Kannte die nicht jedermann? Eine von Amerikas bekanntesten Institutionen in Privatbesitz, unter anderem Entwickler von Renn-Flugzeugen und Waffen, en gros und en detail. Sie gehörte dem einsiedlerischem Multi-Millionär Jack Flapp, der seine erste Million mit maskulin-duftender Seife für die Truppen machte, während des Krieges. Das hat er sehr sauber [!] hinbekommen. "Nun, sie gehört meinem Vater" sagte sie.

Mir ging der Hut hoch ... und landete in der Ecke vom Büro. Er rauchte, genau wie mein Kopf.

"Ich half ihm aus, indem ich mich um das FLASH Projekt kümmerte. Es ist sehr geheim, verstehen Sie?"

Ich nickte wieder, diesmal etwas langsamer, obwohl ich keine Ahnung hatte, wie geheim das Projekt war. Es musste sich um ein Jagdflugzeug handeln, aber ich bewegte mich da auf unsicherem Terrain und widerstand dem Drang zu viele Fragen zu stellen.

"Abendessen?" sagte ich. Nun, da ich wusste, wer sie war, wusste ich auch, dass sie nicht an mir interessiert sein würde. Ich war nur ein Westentaschen-Detektiv, dieser Sorte, wie sie von ihr oder den meisten, im Dutzend vor dem Frühstück gekauft wurden. Die raue Wirklichkeit hatte mich wieder.
Ich erinnerte mich an das, was meine Ex-Frau mir sagte, an dem Tag, als sie mich verlies, um mit Mark, meinem Partner, nun ehemaligen Partner, zu leben. "Du bist ein Tu-nicht-gut, Mike" sagte sie. Vielleicht hatte sie recht. Ich war sicherlich langsam gewesen im Erkennen, was zwischen den Beiden lief. Ich wachte nachts auf und hörte sie unten ihr Flüstern "Mark, Mark!" vor der Hintertür. Er musste sich in der Garage versteckt haben, und beide dachten wohl, ich schlief. Ich hatte immer schon einen leichten Schlaf gehabt, stand auf und ging hinunter, um zu sehen, was da für ein Lärm war. Sie hatte gesagt "Das war nicht ich, das war der Nachbarshund. Der hat gelispelt."
Nun, ich führte mein Geschäft heute alleine und wollte keinen Partner mehr. Was ich tat, machte ich allein. Aber manchmal schaute ich zurück zu dem Tag, als sie mich verlies, und ich fühlte mich schlecht. Egal, was jemand sonst sagen mag, er war ein verdammt guter Detektiv gewesen.

"Ich würde gerne" antwortete sie, nicht zu schnell, und sah mich wieder sanft an mit diesen wundervollen, blauen Augen. Realität? Realität entschwand zum Fenster hinaus.

Die Fenster waren beide geschlossen und versperrt. Der Türschlüssel war in meiner Tasche. Nicht konnte diesmal schief gehen. "Kommen Sie" sagte ich zu ihr, "ich kenne da ein großartiges kleines italienisches Plätzchen unten am Park. Vertrauen Sie mir". Sie ging hinaus auf den Korridor und ich schloss, sehr behutsam, die Tür hinter uns. Ich wartete ein paar Sekunden, lauschte auf die anhaltende Stille aus dem Büro. Als ich mir sicher war, dass dort drin alles ruhig blieb, steckte ich den Schlüssel ins Schloss und verriegelte mit Gefühl, nur ein Minimum an Kraft benutzend, um den Schlüssel zu drehen. Ich zuckte zusammen, als es `Klick` machte, aber nichts zerbrach. Schweiß perlte auf meiner Stirn, als ich den Schlüssel aus dem Schloss zog und mit einem Seufzer der Erleichterung zurück in die Sicherheit meiner Hosentasche gleiten ließ.

"Puh!" sagte ich. Sie lächelte mich an. Ich mochte es, wenn sie mich anlächelte. Wir gingen die Treppe hinunter und traten hinaus auf den Gehsteig. Wir waren noch keine zwanzig Schritte gegangen, als zwei Einsatzfahrzeuge um die Ecke bogen, mit heulenden Sirenen und quietschenden Reifen, und mit kreischenden Bremsen vor meinem Büro zum Halten kamen. Sechs laut rufende Polizisten, ihre [gesprächigen] Schlagknüppel bereithaltend, sprangen aus den [geschwätzigen] Wagen und rannten ins Gebäude. Gedämpfe Stimmen waren zu hören, als die Männer sich in Position brachten, dann hörte ich einen von ihnen durch einen Lautsprecher rufen "Kommen Sie mit erhobenen Händen heraus, Hammer, oder wir kommen rein und holen Sie!"
Ein paar Sekunden später hörte ich das Geräusch zerbrechenden Glases.

Oklahoma. Es war Zeit für das Abendessen.



12. Ein Wink mit dem Zaunpfahl
Die Vorspeise aus Garnelen und Ananas war exzellent. Sie aß jeden Bissen davon und auch das Roggenbrot, dass dazu gereicht wurde. Fast hätte sie auch das Wasser aus der Fingerschale getrunken. Marios Spaghetti Bolognese sind berühmt in New Yorks East Side, wo die Sonne niemals auf uns Fußgänger scheint, weil die Hochhäuser für U-Bahn-Benutzer gebaut worden sind. Seine Soße reflektierte diese reichen und starken Kontraste, lag dick auf den weichen, leckeren Spaghetti, war eine perfekte Metapher für die einfachen Leute, die unter diesen aufgetürmten Monstrositäten lebten. Der Parmesan-Käse war... einfach nur Käse. Aber das Abendessen war gut und ich bestellte uns ein paar Eisbechern zum Abschluss. Für sie Marios Extra Spezial Schwarzkirsche mit Marshmellows und Kokosraspel. Ich hatte Erdbeer- und Vanille-Karé mit Pistazien und Schokosoße. Während des gesamten Essens konnte ich meine Augen nicht von ihr lassen. Ich wollte sie nicht anstarren, aber es fiel schwer zu widerstehen, so einen Engel zu schauen und ich dankte meinem Glücksstern, dass sie real war.
"He Mario" sagte ich, als er rüberkam, um die Eiskrem von meinem Hemd und der Krawatte zu wischen und mir die Rechnung zu präsentieren, "das war erstklassig, wissen Sie? Ich werde einen extra Dime (Zehn-Centstück) drauflegen." Er sah mich an mit einem langen, kühlen Blick, den einige Leute fälschlicherweise als Verachtung deuten würden, aber ich wusste, er bedeutete lang-jährige Freundschaft. Das mit Mario und mir reichte weit, sehr weit zurück. Zurück bis zum letzten Winter, wenn ich mich recht entsinne. "Einen Dime" sagte er schmallippig. Dieser Mario war immer so ein Scherzbold. "Das wird mich zu einem reichen Mann machen, eh?" Ich lachte über sein gutherziges Frotzeln. "Und der Name ist Tony, nicht Mario. Wie oft soll ich es Ihnen noch sagen?" Er klatschte die Rechnung auf den Tisch und ging davon, seine Hände an seiner großen, weißen Schürze abwischend. Ich lachte leise in mich hinein. Dieser Mario war wirklich lustig. Wie lange zog er nun denselben Gag mit mir ab? Seit letztem Winter, wenn ich mich recht entsinne.

Als der Kaffee serviert wurde, wussten wir beide, es war Zeit, zurück an die Arbeit zu gehen. "Erzählen Sie mir ein wenig mehr über ihren Chauffeur" fragte ich sie. "Wie war sein Name?" "Er heißt John" sagte sie. "Ich war für eine Reihe dringender FLASH Besprechungen rüber geflogen zu unserer Handwaffen-Firma in Tulsa. Er war angewiesen, von New York aus mit dem Buick nachzukommen und mich dort ein paar Tage später zu treffen, aber er kam nie an." "Er ist einfach verschwunden?" fragte ich sanft. Sie blies auf ihren Kaffee, dessen Oberfläche sich kräuselte. Ihre Lippen waren so perfekt, ich wollte mich vorbeugen und sie küssen. Ich fragte mich, ob sie mich lassen würde.

"Nicht ganz" sagte sie. "Ich bekam eine Nachricht von ihm über das Autotelefon. Aber es war seltsam" Sie sammelt ihre Gedanken. Ich wartete. Sie sagte "Er rief mich an und zitierte diese Liedzeile `Ich war nur 24 Stunden vor Tulsa, nur einen Tag entfernt von deinen Waffen [Armen]`. Glauben Sie, das hat etwas zu bedeuten?"

"Es scheint nur eine Nachricht zu sein" sagte ich. "Vielleicht versuchte er zu sagen, dass er einen Halt einlegte auf dem Weg zu ihrer Firma in Tulsa, als er noch einen Tag entfernt war"

Sie sah mich an und für einen Moment glaubte ich Bewunderung in ihren Augen zu erkennen. "Sie verstehen ihr Handwerk" sagte sie. Tulsa. Eine Stadt in Oklahoma. Die Teile fingen an, zusammen zu passen. Einzig, dass mir zum jetzigen Zeitpunkt einige Teile fehlten. Ich hatte noch keines der Schlüssel-Teile. Sie wissen, diese mit den graden Kanten, die leicht zu finden sind? Und ganz sicher hatte ich auch keines der Eckstücke. Es würde nicht einfach sein, ohne ein Kanten- oder Eckstück. Eine Menge `blauer-Himmel-Teile` waren außerdem zu besorgen. Und vielleicht war dieses `Puzzle` eines mit einer Menge Himmel. Oder See. Diese Puzzles mit See-Motiven konnten sehr harte Nüsse sein. Ich habe nie eines von denen beendet. Und auch nicht von denen mit Himmel.

"Warum, glauben Sie, hat die Polizei ihr Büro gestürmt?" fragte sie mich plötzlich.

"Nun" begann ich, "vielleicht war es der Glaser, der schnell reich werden möchte. Aber ich denke, jemand will mich aus dem Weg haben"

"Eine Idee, wer?" fragte sie.

"Noch nicht" sagte ich. "ich denke, das ist ein Himmel-Teil"

"Ha?"

"Oh, äh, das ist nicht wichtig, Honey" Aber es war wichtig. Es war sehr wichtig, nur wusste ich keine Antwort.

"Ich muss mir mal die Nase pudern gehen" sagte sie. Als sie die Stufen hinauf ging, hielt jeder Mann im Raum den Atem an. Ihre Hüften schwangen wie Gardenien in einer hawiianischen Brise, hypnotisierten mich mit ihren flüssigen, rhythmischen Bewegungen. Sie verschwand oben um die Ecke und aus meiner Sicht. Ich fühlte mich sogleich, als ob die Sonne meines Lebens verlosch ... ich wollte sie wiederhaben. Es schienen nur Sekunden zu sein, bevor sie wieder erschien, sie schritt ebenso elegant hinunter, wies sie kurz vorher hinaufgestiegen war. Sie kam nahe an mich heran, lehnte sich vor, um ihre Lippen nahe an mein Ohr zu bringen. Ich fragte mich, ob sie zurückgekommen war, um mich zu küssen.

"Mike" flüsterte sie mir zu, "die Kloschüssel ist verschwunden und Erdnüsse sind dort auf dem Fußboden verstreut". Kein Kuss.

Ich sagte "Kommen Sie, Zeit zu gehen"

"Verdammt" schnappte sie, "haben sie nicht gehört, was ich gerade sagte?"

"Ich meinte nur, es ist Zeit für uns, hier zu verschwinden."

"Oh. Ähm. Richtig" sagte sie.

Aus dem Restaurant führten einige Stufen hinauf auf Straßen-Niveau. Ich ging voraus, um nachzusehen, ob die Luft rein war. Es sah alles ruhig aus und so rief ich sie und zusammen verließen wir eilig das Lokal und verloren uns in den tieferen Straßen-Schatten. Es sah so aus, als ob es eine Verbindung zwischen den drei gestohlenen Klos gab, aber welche?

Wir steuerten Grand Central Station an und nahmen einen Zug zum Flughafen. Ich war sicher, die Antwort würde nur in einem Platz gefunden werden.

Oklahoma.


13. Sie sind überall
Am Flugplatz angekommen, ging ich schnurstracks zum Fahrkarten-Schalter. "Zwei Tickets nach Tulsa, bitte."
Die Angestellte war eine mit stechenden Augen, weit [breit] über Anfang Vierzig, dünn, drahtiges Haar, und sie trug die Uniform ihrer Gesellschaft wie eine Polizei-Uniform. Ohne aufzusehen, sagte sie "Name".

"Hammer".

"Mr. Hammer, Sie brauchen in der Tat ein Flugzeug. [pun:plan=Plan] Hahahaha!" Es war wieder wie in der Abendschule, ich kam nicht auf die Pointe. Ich wartete darauf, dass sie zu Lachen aufhörte, und das tat sie in dem Moment, als sie zu mir aufsah. Sie schaute mir sehr konzentriert in die Augen, als ob dort eine geheime und unerlässliche Botschaft verborgen war, welche sie nicht verpassen wollte. Ich fühlte mich ein wenig unbehaglich.

"Sie sehen aus, als hätten sie Indianisches Blut in sich," sagte sie nachdenklich.

"Ich bin zu einem Viertel Blackfoot" sagte ich sachlich. Sie sah wieder auf ihre Liste und überprüfte die Eingänge, während ihr Stift am Rand entlang fuhr.

"Haben Sie eine Reservierung?" [pun:(Indianer-)Reservation] fragte sie ohne aufzuschauen.

"Nun ja, haben wir," sagte ich. "Dakota".

"Mr. Hammer, Wir fliegen nicht mehr mit Dakota-Maschinen. Wir haben Boeings heutzutage."

"Bringen uns Boeings nicht genauso weit wie Dakotas?" fragte ich skeptisch, besorgt nicht auf dem neuesten Stand der Luftfahrttechnik zu sein.

Sie hob den Kopf und sah mich an, scheinbar unschlüssig, was sie als Nächstes sagen sollte. "Ja, können sie, eigentlich sogar noch eine Ecke weiter. Aber was hat das damit zu tun?".

So kamen wir Nicht weiter. "Wie wär's mit Tulsa?" fragte ich.

"Würde ich gerne, Danke, aber meine Schicht endet nicht vor 18 Uhr. Hahahahaha!" Ihr Gackern wurde nervig. Sie war nervig. Ihr Gelächter hörte so plötzlich auf, wie es begonnen hatte. "Ich komme auch aus Oklahoma, haben Sie es herausgehört?" Ich nickte schnell und ohne zu zögern. Ich fragte mich, ob Supermann mir beibringen würde, wie man Dinge durch bloßes Anstarren zum Brennen bringt.

"Geben Sie mir einfach zwei Tickets, bitte. Wir haben kein Gepäck zum Aufgeben und wir haben es eilig."

Ihre Augen weiteten sich überrascht, sie legte ihre Hände flach auf das Pult, beugte sich zu mir vor und fragte "Kein Gepäck?" Ihre Worte kamen ein wenig heiser `rüber, fast wie ein geflüsterter Schrei. Sie sah zwischen uns hindurch und dann erhellte ein `mitwisserisches' Verstehen ihr Gesicht. "OK, in Ordnung," sagte sie langsam, "und ich denke, Ihre `Tochter` zahlt für die Tickets, Mr. Hammer?"

"Also, sehen Sie..." begann ich, aber die Blonde knallte ihre American Express Karte auf den Tresen zwischen der Hostess und mir und sagte mit einem sparsamen Lächeln: "Und buchen Sie Erste Klasse!" Mein Ärger war sofort verflogen. Man sieht nicht viel AM Gold Karten in der heutigen Zeit. Meine Dame sah mich an und, ohne ein Wort zu sagen, bedeutete sie mir, still zu schweigen und es gut sein zu lassen. War für ein Mädchen!
Während sie die Karte benutzte, machten die Augen der Beamtin Überstunden, ohne dass sie uns jemals richtig ansah. Sie hatte genug damit zu tun, an ihrer eigenen Lippe zu saugen und ich hoffte sehr, sie würde sich an ihr verschlucken, bevor sie zu lang wurde. Es dauerte einige Minuten, bis von der Karte abgebucht war und die Flugscheine gedruckt waren. Am Ende überreichte die Angestellte mir beides, schürzte ihre Lippen und zwinkerte mir zu "Haben Sie einen guten Flug" sagte sie und zwinkerte wieder, "und geben Sie auf die Nägel der Dame acht, Mr. Hammer. Hahahahaha!".

Ihre Nägel? Was war verkehrt mit ihren Nägeln? Falls es ein Problem damit gab, konnte ich es nicht erkennen. Warum redete jedermann in diesem seltsamen Code zu mir? Oklahoma. Das musste es sein. Wir flogen nach Oklahoma und die Leute der Luftfahrtgesellschaft behandelten offensichtlich alle Passagiere mit diesem Ziel mit einer Art speziellen Rücksichtnahme, die man für gewöhnlich für die Benutzer von Zwangsjacken reserviert.

Wir hatten über eine Stunde zu warten, bis unser Flug aufgerufen würde, also gingen wir in die Erste-Klasse Abflug-Wartehalle. Eine hübsche Rothaarige brachte uns Kaffee zu unserem Platz und wir beobachteten die landenden und startenden Flugzeuge auf dem Betonfeld vor uns. Flughäfen sind faszinierende Plätze, eine Art transkontinentaler Thermometer, wo einige Leute in vier Lagen Wolle gekleidet und Handschuhen eintrafen, während aus anderen Flugzeugen Leute mit dürftigen Shorts und ärmellosen Oberteilen stiegen.

"Also ist FLASH ein Flugzeug, oder so etwas?" fragte ich sie.

"Ssssh!" sagte sie, "Es ist tatsächlich wirklich geheim!" Sie sah sich vorsichtig um, und ich auch, aus reiner Gewohnheit. Niemand war nahe genug, um uns hören zu können und so fuhr sie flüsternd fort: "Nein, es steht für Fast Loading Artellerie Shell for Howitzers". (Artillerie Schnell-Lade-Aufsteckvorrichtung für Howitzer-Waffen)

"Was bedeutet das?" fragte ich. Ich versuchte, nicht allzu blöd zu klingen, aber es war schon zu spät.

"Nun," sagte sie, "es handelt sich um eine Vorrichtung die einfach in ein Militär Feld Waffe eingebaut werden kann, um es schneller als vorher feuern zu lassen."

"Ich verstehe. Dieses Ding kann also die Feuerkraft einer militärischen Waffe verdoppeln, verdreifachen, oder vervierfachen, was auch immer. Das könnte jemandem eine Menge Geld wert sein."

"Es könnte, wenn es funktionieren würde" sagte sie "aber wir waren bis jetzt noch nicht erfolgreich. Die Vorrichtungen laden nicht sauber und die Waffen haben Ladehemmung. Wenn wir das Problem nicht in den Griff bekommen, und zwar bald, werden wir das Projekt vollständig aufgeben müssen."

"Doch jemand würde gerne ein Auge auf die Blaupausen werfen, könnte ich mir vorstellen? Eine auswärtige Macht oder ein Geschäfts Rivale vielleicht?"

"Ich nehme an, ja" sagte sie nachdenklich. "Glauben sie, dass es darum geht bei dieser Sache?"

Ich auf meinen Kaffee und erwog die Optionen, dann nickte ich. Ich wollte noch etwas dazu ergänzen, aber mein Handy klingelte. "Hallo?" fragte ich, ein wenig vorsichtig, dass mich jemand um diese Zeit anrief und hoffte, es wäre nicht die Polizei oder ähnliches.

"Hallo" sagte die muntere Männerstimme auf der anderen Seite der Verbindung. "Hier spricht ihr freundlicher Orts-Glaser. Ich wollte nur mal nachfragen, ob ich heute etwas für sie tun kann, nachdem es so aussieht, als wären Sie ein fester Kunde von mir."

"Um ehrlich zu sein, es gibt etwas." antwortete ich.

"Das glaube ich nicht!" war alles, was er sagte


14. Ein langer Flug beginnt
Ich war nie zuvor mit einem Düsenflieger geflogen und war ein wenig nervös, dass da so gar keine Propeller zu sehen waren. Doch bald stiegen wir auf aus NY's verregnetem Idlewild-Airport und ich vergaß meine Bedenken, als ich mich diesen neuen Ansichten von meinem alten Freund NY verlor. Wir legten uns in die Kurve und wendeten über den Häfen der Stadt; hatten dabei einen großartigen Ausblick auf den grünen Atlantik, der die Küste von New York küsste. Dann tauchten wir zunehmend ein in eine schlecht gehärtete Wolkenformation, gleich wie der Regen, der so oft auf die Bewohner dieser ruhelosen, traurigen Stadt fällt.
Der Stahlflügel schaukelte und bockte, als er durch Wolken schnitt, die für mich aussahen, wie der Innbegriff von Weichheit. Und dann plötzlich, waren wir über den Wolken, aalten uns in einem wundervoll blauen Himmel, wie ich ihn seit Monaten nicht gesehen hatte. Schwer zu glauben, dass wir noch in derselben Welt waren, und gleichzeitig doch in einer anderen. Die Wolke war nun mehr eine weiße Darmverschlingung, die wir eilig hinter uns ließen. Genau unter uns war eine Serie von wirbelnden Haufen, die in der Bewegung eingefroren zu sein schienen, ausgebreitet als ein Teppich für die Götter.
Nur dass ich kein Gott war, nur ein kleiner Privat-Schnüffler, der sich in der ersten Klasse sehr deplaziert vorkam.
Neben mir, eine Zeitschrift lesend, saß eine wahre Göttin. Es war ein Privileg, einfach nur neben ihr zu sitzen. Wir befanden uns im Frontteil des Flugzeugs und ein geschlossener Vorhang bot Sichtschutz zum Rest der Passagiere. Insgesamt waren nur sechs Leute im Erste-Klasse-Abteil, obwohl in der Boeing große, blaue Sitze für die doppelte Menge vorhanden war. Der Flieger bediente die Strecke bis San Diego in Kalifornien, machte aber Zwischenlandungen in St Louis, Tulsa und Tucson.
Ein Teil von mir wollte weiterhin aus dem Fenster sehen, weil ich mir nicht zu sehr vergegenwärtigen wollte, wie schmal diese fliegende Aluminium-Schachtel eigentlich war. Aber das meiste von mir wollte nur diese Frau ansehen.

Zwei Geschäftsleute in glänzenden Anzügen schlugen sich durch eine Unterhaltung in den Sitzen schräg hinter uns. Es wurde sofort klar, dass jeder der beiden herauszufinden versuchten, ob er dem anderen etwas verkaufen konnte, ohne eigentlich auszudrücken, was sie wollten. Ich fragte mich, wie lange sie dieses Spiel spielen würden, bis sie das nächste begannen, aus der Unterhaltung zu kommen, bevor der andere etwas verkauft hatte.
Rechts vor uns saß eine Frau mit Lockenkopf, so um die 30, nach der neuesten Mode gekleidet und irgendwie bekannt aussehend. Hatte ich sie im Film gesehen oder im Fernsehen? Ich war mir nicht sicher, aber sie sah aus wie ein Filmsternchen, geschminkt und gepudert, der niemand ihr erzählt hatte, wie das Leben wirklich spielt.
Ein etwas älterer Mann, so um die 40, begleitete sie, saß still da und sah zum Fenster hinaus, seinen Hut, Modell Homberg, auf dem Schoß und mit seinen Fingern leicht einen Rhythmus darauf trommelnd, während er etwas unmelodisches summte, um seinen Geist zu beschäftigen.. Es erstaunte mich, wie man großartige Melodien von einem Genie wie Gershwin zu etwas reduzieren konnte, dass man auf einem Hut trommelte. Vielleicht spielten wir eines Tages alle Musik auf diese Weise. Er nahm fast keine Notiz von dem Starlet neben ihm, als wäre sie lediglich sein Handgepäck. Vielleicht war sie es auch.
Wenn ich sie mit der neben mir sitzenden Frau verglich, wusste ich sofort, welche von beiden wahre Klasse besaß. Es war nicht das Starlet, nein Sir.

Nach etwa 30 Minuten erreicht der Flieger seine Reise-Flughöhe und eine Stimme krächzte über die Lautsprecher: "Hier spricht ihr Kapitän Spricht, unsere Fluggeschwindigkeit beträgt 350 Knoten bei einer Flughöhe von 42,000 Fuß. Das sind grob geschätzt 380 Meilen die Stunde und 8 Meilen Höhe. (611,42 km/h- 12.872 km) Genießen Sie Ihren Flug" [pun: captain Speaking, Kapitän Spricht]

Das hätte ich vielleicht, wenn er mir nicht gesagt hätte, dass wir in 8 Meilen Höhe fliegen.

Eine Stewardess kam durch den Vorhang vor uns, lies dabei einen verlockenden Blick nach vorn zum Cockpit zu, allein, die Tür war verschlossen. Sie schaute von einer Seite zur anderen, ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht und es war klar, dass sie nur Hier War, Uns Glücklich Zu Machen. "Hallo Madame, Sir" sagte sie zu dem Starlet und ihrem geistesabwesenden Hüter. "Guten Tag" lächelte sie uns beiden zu.
Ihr Ausdruck zeigte kurz ein besorgtes Stirnrunzeln, als sie den beiden Geschäftsleuten hinter uns ein "Hallo und Hallo" zurief, welche nun fast auf den angrenzenden freien Sitzen lagen, um mit dem jeweils anderen über dem Gang zu sprechen. Sie wirkten wie Buchstützen, ihre Köpfe berührten sich fast, jeder von ihnen hatte ein Wallstreet-Journal geöffnet in seinen Händen und beide kauten an den Bügeln ihrer ungetragenen Brillen, während sie höchst vertraulich Verkaufszahlen austauschten. Wie mit einer Stimme riefen beide "Hallo!" zurück und nahmen ihr seltsames Spiel des verbalen Schlagabtausches wieder auf. Es schien den beiden wichtig dem jeweils anderen zu versichern, dass seine Firma eigentlich zur Zeit gar keine Verkäufe benötigen würde.

"Bitte, Miss, könnten Sie mir sagen, wann wir Tulsa erreichen?" fragte ich sie. Ihr verbindliches Lächeln wurde noch verbindlicher und sie schien aufrichtig erfreut, dass ein Passagier ihre Hilfe benötigte. "Selbstverständlich, Mr. Hammer, Sir! Wir werden in St. Louis in 3 Stunden, 10 Minuten landen, wo wir einen 30minütigen planmäßigen Aufenthalt haben und 15 Minuten auf dem Rollfeld, dann heben wir ab Richtung Tulsa und kommen dort 95 Minuten später an. Darf ich Ihnen einen Drink bringen, Sir?"

Ich war anfangs verblüfft, dass sie meinen Namen wusste, aber dann war ich geradewegs damit beschäftigt die Daten zu sortieren, die wie aus der Maschinenpistole geschossen kamen. Es war nur meiner jahrelangen Übung zu verdanken, dass ich es schaffte, einen großen Bourbon zu bestellen, ohne darüber nachdenken zu müssen. Ich glaube, die Passagierliste wurde in der Ersten Klasse genauer gelesen, als in der Normalo Klasse, in der ich normalerweise flog. Ich fragte mich, ob die E-K-Stewardessen all ihre Passagier-Namen auswendig lernten, bevor sie ihr Lächeln aufsetzten, oder danach.

Meine Klientin bestellte einen Gin-tonig mit 3 Eiswürfeln, einer einzigen Scheibe Zitrone, grades Glas ohne Riefen oder geprägtem Namen am Glasboden und nicht zu hoch eingeschenkt.
Ich war mir sicher, die Hostess wusste nun, ich war nur irgend so ein Typ aus NY's Downtown, aber sie zeigte es nicht. Ihr Lächeln wurde womöglich noch breiter und ihre Stimme noch fröhlicher, als sie uns die Drinks brachte, uns dankend, dass wir ihr erlaubten, uns zu bedienen und hoffend, wir würden sie erneut bemühen, falls wir irgend etwas benötigen sollten. Die anderen sahen nicht so aus, als ob ihnen irgend etwas ungewöhnlich an ihrem Verhalten vorkommen würde.
Ich sank tiefer in meinen Sitz und begann mich wirklich unwohl zu fühlen in dieser Gesellschaft. Aber der Bourbon schmeckte gut und die Sonne ging unter. Die silbrig-glänzenden Flügel glühten in einem rötlichen Orange an ihren vorderen Kanten, erzeugt von einer Sonne, die irgendwo da vorne schien, vor dem Flugzeug und außerhalb meiner Sicht. Meine Begleiterin stand auf und murmelte etwas von "Badezimmer benötigen" und ging nach achtern, vorbei an den beiden Geschäftsleuten, die wie lebende Buchstützen den Gang rahmten. Das emsige Dröhnen der Motoren verstärkte meine Schläfrigkeit.

Als ich einschlief bemerkte ich vage, dass das Glas aus meinen Fingern glitt. Ich hörte es auf den Boden fallen.

Oklahoma. Wir waren unterwegs nach Oklahoma.



~~~~~~~~~
15 Ein Kurzer Flug
Ich träumte von ihr. Sie kam gerade heim von der Arbeit und ich kochte für sie mein bestes Essen. Sie nahm keine Notiz von mir. Ich sprach sie an und nun war ich völlig unsichtbar für sie. Der Starlet-Begleiter war im Wohnzimmer, saß in einem leichten Sessel und schwieg. Sein Hut lag auf dem Platz neben ihm. Seltsam, dass ich ihn dort vorher nicht bemerkt hatte. Sie beugte sich zu ihm und küsste ihn auf die Stirn. Ich hörte Zirkus-Musik und die beiden waren glücklich in ein Gespräch vertieft. Ich existierte nicht für sie.
Ich wachte wieder auf, weil der Traum so schwer war. Sie saß bei mir und als ich zu ihr sah, drehte sie ihren hübschen Kopf und lächelte mir zu. "Hallo, Schlafmütze" sagte sie. Es verwirrte mich ... der Traum war noch immer in meiner Seele gegenwärtig. Der Starlet-Behüter saß jedoch noch immer auf seinem Platz schräg über den Gang, von nichts Notiz nehmend, außer von Gershwin und seinen Homberg.

Die Stewardess kam durch die Vorhänge, ihr Lächeln so breit, wie der Gang, den sie durchschritt. Ihre Augen richteten sich auf mich, ihr Lächeln konnte unmöglich noch breiter werden, und sagte "Mr. Hammer, wir landen in 15 Minuten in St. Louis und ich bin froh, dass Sie aufgewacht sind. Es ist am besten, wenn sie wach sind während unseres Landeanfluges, oder sie erwachen mit Ohrenschmerzen. Abgesehen davon, möchte ich nicht, dass irgendjemand annimmt, ich hätte etwas in ihren Drink getan, Mr. Hammer! [pun: spiked your drink= mit Schuss/spike= Spitze] Ach du liebe Güte, Hammer ... Spitze? Oh! Hahaha, Liebe Güte, es tut mir leid." Errötend und kichernd gleichzeitig, eilte sie zurück hinter ihren Vorhang. Ich konnte mir nicht vorstellen, worüber sie lachte.

"Ich habe ein ‚Barleysugar' für sie aufgehoben" sagte die Dame weich zu mir, "lutschen Sie es, das wird Ihren Ohren helfen während der Landung" Sie hielt mir ein in Cellofan eingewickeltes Bonbon hin. Ich nahm es behutsam, ihre Finger dabei berührend. Meine Finger fühlten sich lebendig an, als sie die ihren streiften, wie sie es nie zuvor gewesen waren. Alles, was sie betraf, wurde wichtig für mich. Ich lächelte zurück, der Traum von vorhin floh in die dunkelste Ecke meiner Erinnerung, wo ich mich ihm eines Tages würde stellen müssen, aber für den Moment konnte ich ihn dort lassen. Sie war unvergleichlich. Ich wickelte den Bonbon aus.

Sie widmete sich erneut ihrer Zeitschrift, dabei eine Melodie summend, als sie las. Ich erkannte sie als "Nelly, der Elefant" Es war ein eingängiges Lied. Ich hatte nicht besseres zu tun, also sah ich hinaus aus dem Fenster, um zu sehen, ob die Welt noch da draußen war. Sie war. Es herrschte noch immer Zwielicht dort draußen, obwohl es nach meiner Berechnung schon vor einer Stunde hätte dunkel sein sollen dort draußen. Dann wurde mir klar, dass wir der Sonne folgten und in den Sonnen-Untergang flogen.
Die Maschinen wurden leiser, der Flieger schien sich ein wenig auf seine Flügel zu stützen und ich konnte fühlen, dass wir sanken. Das "Nicht rauchen" und "Bitte Anschnallen" Symbol leuchtete auf über dem Durchgang und die Stewardess, nun wieder gefasst, war glücklich, erneut hinter ihrem Vorhang aufzutauchen und sicherzugehen, dass wir alle glücklich waren, ihren Anweisungen zu folgen.

Als wir der Erde entgegen sanken, tauchten wir ein, in das Leichentuch der Nacht, dass bereits die Welt unter uns eingehüllt hatte. Wären wir dort oben geblieben, so war ich sicher, hätten wir immer noch die Sonne sehen können; hier unten jedoch war sie hinter dem entfernten Horizont verschwunden. Wir durchstießen die Wolkenschicht.
Blinkende Lichter verrieten den abendlichen Verkehr, der auf den Straßen rollte, einige unsichtbar, einige sichtbar im Schein der Straßenlaternen, Ketten von Licht kreuz und quer auf der Erdoberfläche erzeugend. Bürohäuser waren da und dort zu erkennen und als wir noch tiefer sanken, auch Häuser und andere Dinge. Als wir tief genug waren, um die Typen der Autos und LKWs an ihren Formen zu erkennen, begann ich nervös zu werden und hoffte, der Pilot konnte sehen, wohin er flog und würde nichts anrempeln.
Die Tragfläche schien ein wenig seitwärts abzusacken, oder war es das ganze Flugzeug? Ich war mir nicht sicher, aber es fühlte sich an, als ob wir mit der Taille wackelten. Ich hörte den Wind vorbeidonnern und einen Stoß unter mir, als das Fahrwerk ausgefahren wurde. Das Flugzeug schien die Autos auf dem Highway, der parallel zu unserem Kurs führte, zu jagen. Wir schlugen sie mit Leichtigkeit. Ich fragte mich, ob einer der Fahrer die Herausforderung annehmen würde und sich tatsächlich mit uns messen wollte, aber niemand machte mit. Sie alle schienen so langsam zu fahren, als ob die Welt außerhalb in Zeitlupe stattfand.

Die Stewardess verschwand wieder hinter ihrem Vorhang, wahrscheinlich, um sich selber für das letzte Stadium des Landens anzuschnallen. Sekunden später flogen wir über einen Teil eines Flughafens und ich konnte andere Flugzeuge erkennen an ihren Terminals parkend. Der Boden kam nun rasch näher und unser bis dahin anmutiger Sinkflug schien ein eiliger zu werden.
Ich hielt den Atem an, ich konnte nicht anders. Dann schien es, als ob wir nie aufsetzen würden, und dann plötzlich berührten wir doch den Boden. Der Flieger schien seine Nase ein wenig aufzubäumen, als wir aufsetzten, aber der Pilot hatte das Bug-Rad schon mehrere hundert Meter vorher ausgefahren. Dann senkte sich die Nase sacht, das Bugrad bekam Bodenkontakt und begann sein leises Holpern. Unsere Boden-Geschwindigkeit wurde mit jeder Sekunde annehmbarer. Ich entspannte mich und atmete wieder aus, als wir von der Rollbahn glitten und auf die Flughafengebäude zusteuerten.

"Meine Damen und Herren, hier spricht wieder ihr Kapitän Spricht." Er fuhr fort mit Hinweisen auf das Rauchverbot, und nannte uns die aktuelle Ortszeit. Dann sagte er noch etwas, dass mich aufhorchen ließ.
"Unglücklicherweise haben wir eine kleine Beschädigung während unseres Fluges erlitten, die verlangt, diese Maschine außer Dienst zu stellen. Die Fluggesellschaft ist bereits dabei, eine Ersatzmaschine nach hier zu beordern, sodass sie ihre Reise fortsetzen können. Wir entschuldigen uns für Unannehmlichkeiten"
Die Dame seufze ihre Enttäuschung und ihren Ärger hinaus. Das Starlet schien es persönlich zu nehmen und ließ jedermann wissen, dass sie Nicht Erfreut war. Ihr Begleiter hingegen trommelte weiterhin auf seinem Hut herum, sich offensichtlich dem Crescendo von ‚Rhapsodie In Blue' nähernd. Hinter mir tauschten Amerikas führende Geschäftsleute ihre Visiten-Karten und versprachen einander zu helfen, wann immer es nötig wäre.

Da war etwas in der Nachricht des Piloten, dass meine inneren Alarmglocken läuten ließ, aber ich hatte noch keinen Beweis. Der Flieger kam abrupt auf dem Rollfeld zum halten und die Maschine liefen aus. Zwei Paar Treppen wurden an der Seite des Flugzeugs angelegt, eine für die Passagiere der Ersten Klasse und die Crew und die andere für die Plebejer aus dem hinteren Teil, welche den Ausgang achtern zu benutzen hatten, während wir vorne ausstiegen.

Ich konnte die Tür aufschwingen hören, als unsere Mitreiseisenden aufstanden und begannen, ihr Handgepäck und ihre Mäntel zusammenzusuchen. Ich beeilte mich nicht. Ich wollte sichergehen, der letzte zu sein, der die Kabine verlies. Die Stewardess wartete an der Tür und war Sehr Erfreut, Mir Die Stufen Zeigen Zu Dürfen, aber ich sah an ihr vorbei zur Crew, die im Gang zur Kanzel stand. "Tschuldigung" sagte ich. "Darf ich Sie etwas fragen?"

"Wenn ich kann, gerne" sagte der kurze Bursche mit den vier goldenen Streifen am Ärmel. "Ich bin Kapitän Spricht. Wie kann ich Ihnen helfen?"
Die Hostess sah nervös aus.

"Ich fragte mich ... welcher Art die Beschädigung war, die wir erlitten?"

Die Crew blickte sich an, schien unschlüssig, wie am besten darauf zu antworten sei. Es entstand ein peinlicher Moment des Schweigens, bevor der Kapitän sprach. "Nun, Ähm, jemand ... wir wissen nicht wer ... hat das Klo gleich hinter der Ersten Klasse zerschlagen. Wir können so nicht fliegen."

Ich entschied, das es Zeit war, den Flieger zu verlassen. Wir würden die Reise mit anderen Mitteln fortsetzen müssen.





16. St. Louis
Als wir die paar hundert Meter zum Terminal zurücklegten, erzählte ich ihr, was ich wusste. Es war nicht viel. Jemand aus dem Flugzeug wusste über uns Bescheid. Dieser Jemand war uns von meinem Büro zu ‚Marios' gefolgt, zum Bahnhof und zum NY-Idlewild Flugplatz. Ich kannte die Regeln dieses Spieles nicht, aber ich wusste, dass Toiletten gestohlen oder zerbrochen worden waren, in meinem Büro, im Apartment, bei Marios und im Flugzeug. Und jedermann weiß, dass man einem 4-er-Blatt im Spiel nicht trauen kann.
Es war früher Abend in St. Louis. Es war ein wenig frisch, der Himmel war klar, auch wenn wenig Sterne bis jetzt zu sehen waren. Die Erste-Klasse-Transit Halle war in einem der höherliegenden Stockwerke des Flughafens untergebracht und hatte eine Glasfront, durch die wir die anderen Passagiere sehen konnten. Als sie durch ihren eigenen Eingang unter uns hereinkamen, fragte ich mich, ob ich nach unserem Widersacher Ausschau halten sollte. Es war mit Sicherheit jemand aus dem hinteren Teil unseres Fliegers, aber dann machte ich mir klar, dass ich niemanden erkennen würde, während hingegen er (sie? mehrere?) jedoch uns kannten. Wir waren weit genug von der Glaswand entfernt, um aus deren Sicht zu sein und das war unsere Chance.
Die Frau und ich schlüpften durch einen Personal-Ausgang hinaus und hinunter durch ein Treppenhaus, dass selbst für transsilvanische Krabbeltiere zu gruselig gewesen wäre. Diese Seite des Flughafens bekamen die Passagiere normalerweise nicht zu sehen. Wir kamen vorbei an Wagen mit Bürsten und Staubwedeln, eingedrückten Kartons, Reinigungsmittel beinhaltend; vorbei an einem Cola-Automaten mit einem angeklebten Zettel, auf dem 'Defekt' geschrieben stand. Wir traten durch einen Notausgang nach draußen auf einen Angestellten Parkplatz seitlich vom Gebäude.
Außerhalb von jedweder Sicht entspannten wir ein wenig, als wir durch die abgestellten LKWs und Lieferwagen gingen und unseren Weg zu einer Bus-Haltestelle gegenüber dem Parkplatz fanden, an der einige Busse warteten. Der erste Bus warf seinen Motor an, gerade als wir ihn erreichten, und fuhr Richtung Stadt. Wir nahmen ihn, fühlten uns erleichtert, den Flughafen unauffällig zu ver- und unseren Verfolger hinter uns zu lassen.

"Das ist aufregend" sagte sie.

"Was ist aufregend?" fragte ich.

"Mit dem Bus zu fahren" antwortete sie. Ich sah sie an. Sie meinte es ernst. Sie freute sich mit der Aufregung eines Kindes, als sie aus dem Fenster sah. Sie starrte in die Läden und Büros, an denen wir vorbeikamen, versuchte, alles aufzunehmen, was durch die Busfenster zu sehen war. Sie schaute auf die Vororte dieser verschlafenen Stadt, als ob sie die berauschenden Wonnen eines exotischen, fernöstlichen Landes kosten würde. Ich versuchte, die Dinge zu sehen, die sie sah und mit ihren Augen. Manchmal dachte ich, hätte ich einen kleinen Eindruck von dem, was sie sah. Aber die Bilder blieben zu flüchtig. Ich konnte keinen Zugang zu dieser Magie erhalten. Ihre Kinder-Augen konnten mehr in dieser Welt sehen, als ich mit meinem Zynismus eines Erwachsenen und ich fühlte mich, als hätte ich etwas vor langer Zeit verloren. Verloren oder hatte ich es von mir getan, ich wusste es nicht. Diese Frau brachte mich zu sehr ins Grübeln.

"Wir werden hier die Nacht verbringen" sagte ich "und morgen früh ein Auto mieten und den Rest der Strecke fahren."

Sie sah mich seltsam an. Sie war über etwas besorgt. Besorgt? Nein, das war nicht das richtige Wort ... sie versuchte mir etwas ‚Negatives' zu sagen. Ich konnte nicht herausfinden, was das wäre.

"Mike, Sie sind ein netter Bursche und alles" begann sie "aber da ist etwas, dass ich Ihnen sagen muss"

"Woah, Lady" sagte ich "Sie und ich werden in getrennten Räumen schlafen"

Sie schaute geschockt. Nein, warte. Sie war geschockt.

"Mike" sagte sie sehr sanft und vorsichtig, "es ist wegen des Wagens. Ich kann nicht mit Gangschaltung fahren. Es müsste einer mit Automatic sein"

Ich sah sie an. Ich denke, ich habe geblinzelt. Tatsächlich war ich mir sicher. Yep, ich blinzelte. Und ich wünschte, ich hätte nichts dergleichen gesagt vor ein paar Sekunden. Ich denke, mein Schutzengel hatte Mitleid mit mir, denn mir fiel folgendes ein: "Ich bin Ihr Chauffeur, schon vergessen?" sagte ich und gluckste.

Wir fanden fast so schnell ein Hotel, wie wir aus dem Bus ausstiegen. Es hatte eine moderne Vorderseite aus weißem Stein, aber nachdem wir die beeindruckende Größe vortäuschenden dorischen Portale durchschritten hatten, war der Wechsel der Epochen offensichtlich. Innerhalb des Portals war eine Drehtür und diese durchschreitend befand ich mich auf einem Grund, der älter war, als die Fassade des Hauses. Ich vermutete das Baujahr um 1890, welches bedeutete, dass die Originalaußenseite wahrscheinlich aus Holz gewesen war. Innen roch es nach Politur, Jahren der Pflege und einem unverhohlenen Alter. Ich konnte mir nicht helfen, aber ich wünschte, sie hätten das Aussehen bewahrt, wie auch immer es gewesen sein mochte. Irgendwie wirkte diese alte Lady zu Unrecht dahinter verborgen.

Der Portier trug ein dunkles Butler-Jackett und fuhr mit einen silbernen Stift über die Bücher, als wir näher traten. Er sah auf und seine Augenbrauen hoben sich einladend, als sein Blick zunächst auf die Dame fiel, sanken aber bei meinem Anblick. Ich hatte das schon erlebt. Zu oft.

"Zwei Zimmer für die Nacht, bitte" sagte ich.

Falls er überrascht war, so ließ er es sich nicht anmerken. "Lassen Sie mich sehe, ob etwas frei ist, Sir" sagte er. Sein Kopf beugte sich über das Buch, aber seine Augen blieben für einen Sekundenbruchteil zu lange auf mir haften.

Er parkte den Stift im Tintenhalter und fuhr mit seinem Finger über die Seiten des Buches. Ich wusste, dass er das gar nicht brauchte, dass er genau wusste, wo und welche Zimmer frei waren. Er fällte ein Urteil über uns. Über mich. Er schniefte ein wenig. "Ja, Sir" sagte er, "ich habe zwei angrenzende Räume im dritten Stock, jedes mit einem eigenen Badezimmer." Ich nickte. Er hatte sich verraten. "Es gibt keine Verbindungstür" sagte er, denkend, dass das wichtig für mich wäre.

"Ist ein freier Stuhl in einem von ihnen vorhanden?" fragte ich. Der Kopf der Frau wandte sich mir zu. Ich sah, sie war genauso überrascht von der Frage, wie der Portier. "Das kann ich wirklich nicht sagen, Sir" rief er und ich glaubte ihm.

Die Frau begann in ihrer Handtasche zu wühlen, ich war sicher, nach ihrer Amex Karte. Die Genugtuung wollte ich dem Mann nicht geben. Ich hatte in meiner Manteltasche nach meiner eigenen Amex Karte gefingert, seit wir die Lobby betreten hatten und holte sie hervor, ohne einen Blick darauf zu werfen ... wie ein Zauberer sie hervorgeholt hätte.

Ich trug uns ein als ‚Mrs. und Mrs. Hammer'. Vorzugeben, wir wären Bruder und Schwester schien mir in diesem Fall perfekt zu sein. Das lesend, nickte der Portier befriedigt und schien sich innerlich zu tadeln, vorher ein zu hastiges Urteil gefällt zu haben. Seine ausgestreckte Hand schwebte über der Tischglocke. "Soll ich Ihnen den Pagen rufen, damit er ihr Gepäck aus dem Wagen holt?" fragte er uns beide, sein Lächeln nun offener und entspannter, als vorher. "Wir haben kein Gepäck" sagte ich und bereute es sofort. "Kein Gepäck, Mr. Hammer?" und diesmal war er wirklich überrascht. Dann durchfuhr ihn ein Gedanke und er fügte hinzu "Sie haben keine Reisetaschen [grips], Mr. Hammer? Hahahaha! Grips und Hammer [Griff], tut mir leid! Hahaha!" Worüber, zur Hölle, lachte der Kerl? Ich verstand es nicht.

Die Frau griff sich die Zimmerschlüssel vom Tisch und ging zum Fahrstuhl. Es war eine alte Schmiede-Eiserne Arbeit, ähnlich der außerhalb meines Büros, aber er lief in einem offenen Schacht, umrundet vom Treppenhaus. Sie schaute sich kurz den Lift an, verwarf die Idee wieder und benutzte stattdessen die Treppe. Der rote Teppich auf der Treppe war neu, konnte aber nicht das Knarren der hölzernen Stufen darunter verbergen. Im dritten Stock waren die Flure kurz und nur schwach beleuchtet von einer Serie von Wandlampen, die so sehr abgedunkelt waren, dass fast kein Licht bis zur Wand durchscheinen konnte, nur der Boden und die Decke wurden wenig erhellt. Wir schwangen ein Paar selbstschließende Türen auf und fanden unsere Räume fast gleich dahinter, gegenüberliegend am Ende eines kurzen Blind-Korridors. Jede Bewegung im Flur wurde von laut knarrenden Geräuschen begleitet.

Perfekt.

Ich öffnete den Raum für sie, schaltete das Licht ein und folgte ihr in einem respektvollen Abstand. Ich untersuchte das Fenster, es zeigte zu einer Straße an der Rückseite des Hotels und hatte keine Feuertreppe. Ich zog die Jalousien herunter. Ein paar Sekunden hielt ich inne, um sie anzusehen. Sie war einfach nur schön. Ich küsste die Spitze meines Fingers und berührte damit sachte ihre Nasenspitze. Sie wich nicht zurück. "Schlafen Sie gut" sagte ich. "Ich werde sie morgen früh um 7 Uhr anrufen" Sie schnitt eine Grimasse in gespieltem Horror, bei der Vorstellung von 7 Uhr früh und ich ließ sie allein.

Bis auf die Ausstattung war mein Raum dem ihren nicht ähnlich. Mein Fenster war an einer anderen Wand und sah zu einer Gasse im Hotelbereich hinaus. Gerüche von Küche und warme Luft wehten herauf, sodass ich annahm, unter mir läge die Küche. Mein Zimmer hatte eine Feuerleiter, also schloss und verriegelte ich das Fenster. Ich zog den Mantel aus und wusch mein Gesicht. Es war ein gutes Zimmer, in dem ich glücklich hätte schlafen können, aber hatte ich einen Job zu tun. Ja, da war ein extra Stuhl im Zimmer. Ich zog ihn von seinem Platz am Fenster hin zur Tür. Ich nahm die Neuauflage von ‚Gideons Bibel' vom Kissen und setzte mich in den Stuhl.

Sie ließ sich ein Bad ein, während ich Levicitus las. Sie kam aus dem Bad, als ich Job begann. Ihr Licht ging Stunden später aus, als ich ‚König Salomon las'.

Es war eine lange Nacht. Die Dielen im Flur blieben die ganze Zeit still.


17. Shopping
Das Hotel servierte ein komplettes Englisches Frühstück mit englischem Tee. Die teuflischen Nieren und der krosse Speck gehörten zu dem Besten, dass ich je gegessen hatte und der Tee war gut und stark. Deswegen wird mir St. Louis immer als Inbegriff des Englischen in Erinnerung bleiben, vielmehr als sein übermäßiges französisches Flair, welches die meisten Menschen mit der Stadt assoziieren mögen.
"Wir haben einiges einzukaufen" sagte ich entschuldigend, als wir beide uns einen Weg durch Toast und Erdbeer-Marmelade mampften. "Wir besorgen uns besser ein paar neue Kleider und Sachen". Wir hatten einen langen Weg vor uns und hatten vielleicht eine weitere Übernachtung. Es machte keinen Sinn, sich abzuhetzen und anzukommen, wie zwei müde Tramps, und ich war darauf vorbereitet, die Notwendigkeit von Einkäufen durchzusetzen, egal welche Gegenargumente sie vorbringen mochte.

Gegenargumente?
"Ich liebe Einkaufen! Ich kann Ihnen nicht sagen, wie lange ich darauf gewartet habe, dass ein Mann das zu mir sagt" Ich begann mich zu fragen, ob es nicht besser wäre, nach Tulsa aufzubrechen, ohne frische Wäsche zu brauchen.

Wir brachen direkt vom Frühstücks-Tisch auf, aus dem Hotel und zu den Einkaufsläden, die an die Bus Terminals angrenzten. Sie war wieder ein kleines Mädchen, sah in alle Schaufenster, kleidete sich in imaginäre Kleider, wie ein Kind seine Puppe anziehen würde. Ich hatte nie zuvor ähnliches gesehen und fand es ein wenig atemberaubend. Sie fragte "Steht mir das?" und hielt sich ein Kleid oder eine Bluse oder einen Rock an. Ich sagte ‚ja' oder ‚nein' und sie nahm keine Notiz. Sah ich eine hübsche Bluse, nahm sie vom Bügel und zeigte sie ihr, sagte sie "Das ist etwas für eine ältere Frau" oder "Das ist viel zu jung für mich" oder "Streifen? Ist das Ihr Ernst?" So lernte ich schnell, den Mund zu halten. Die Geschäfte schienen voll von mütterlichen Verkäuferinnen zu sein, die mir alle diesen bestimmten Blick zuwarfen. Sie alle schienen zu wissen, dass die Frau und ich nicht verheiratet waren oder ähnliches und sie alle schienen mich für irgendetwas schuldig zu halten.

Seit zwei Stunden waren wir nun hier und hatten nicht ein Stück erstanden bis jetzt, außer in den letzten 10 Minuten, in denen ich ein paar Hemden kaufte, eine Hose, eine Packung Taschentücher, zwei Sets Boxer-Shorts und Unterhemden und zwei Paar Socken. "Dieses hier ist perfekt!" rief sie aus, einen dunkelblauen, knielangen Faltenrock hochhaltend, der prahlerisch drei glänzende Messingknöpfe an einem schmalen Schlitz im Saum hatte und ein Etikett, auf dem stand ‚Verkauf 5 $ heruntergesetzt'. Ich nahm meine Brieftasche heraus und nickte zu einer der Verkäuferinnen. "Oh nein", sagte sie plötzlich "Ich kann das möglicherweise nicht nehmen, ich habe noch nichts passendes dazu."

"Wir werden etwas finden" sagte ich, hoffend, sie würde nicht die leichte Verzweiflung in meiner Stimme heraushören. Sie jauchzte erfreut bei meinen Worten auf und da war sie wieder, diese ihre wundervolle Mädchenhaftigkeit. Die Verkäuferin hatte innegehalten nach ihrem ersten Schritt und wartete auf weitere Instruktionen. Ich nickte ihr wieder zu, bestimmter dieses Mal. Sie nahm der Frau den Rock ab, und wir alle bewegten uns hinüber zu dem Ständer mit den Blusen, sie nahm eine Reihe von weißen, und blassblauen Blusen heraus, um sie an den Rock zu halten. Dann mussten wir alle zurück, um einen anderen Rock herauszusuchen, für den Fall, dass der erste dann doch nicht dazu passen sollte.
Ich wurde weggeschickt, um mir die Hüte anzusehen, während sie und die Verkäuferinnen irgendwohin verschwanden, um Unterwäsche auszusuchen. Ich verliebte mich mit jeder Minute mehr, die ich mit dieser Frau verbrachte. Aber die Zeit lief uns davon, und falls wir nicht aufpassten, waren wir bei Einbruch der Nacht immer noch in St. Louis, und das war keine erfreuliche Aussicht. Ich musste nach Tulsa, dort, so war ich mir sicher, würde ich die Antwort auf einige oder alle Fragen finden.

Wir gingen zurück zum Hotel, um uns umzuziehen und Mittag zu essen, aber dieses war enttäuschend nach dem üppigen Frühstück. Man nannte uns ein paar Stellen, wo wir ein Auto mieten konnten, aber keine war zu Fuß zu erreichen, und das Hotel musste uns ein Taxi rufen, dass uns zu Can-Do, Auto-Vermietung brachte. Wir warteten in der Bar auf das Taxi, keiner von uns hatte viel zu sagen, aber beide eine Menge Gedanken. Es dauerte nicht lange, bis das Taxi eintraf und wir schritten ein letztes Mal durch die Hotel-Drehtüren, unsere Tüten mit den Einkäufen und der alten Kleidung tragend. Ich konnte das Taxi zunächst nicht entdecken, obwohl es genau vor dem Hotel am Straßenrand parkte. Ich war New York gewöhnt, wo alle Taxen gelb waren, aber dieses war schwarz. Etwas war außerdem ungewöhnlich, der Fahrer wusste, wohin er fuhr.

Wir baten ihn, ein paar Minuten zu warten, falls wir hier momentan kein Auto mieten konnten und er sah recht glücklich aus. Er ging sich so lange die Neuwagen ansehen, die auf dem selben Gelände zum Verkauf anstanden, während wir das Mietwagen-Büro aufsuchten. Das Mädchen dort bedauerte sehr, aber einzig ein ‚Chevrolet Impala' stünde zur Verfügung, wenn ich jedoch am nächsten Tag noch einmal telefonieren wollte, würden Sie einen ‚Studebaker Golden Hawk' bereitstellen können. Ich sagte ihr, der Impala wäre prima, aber sie schien mich nicht zu hören. Alles was ich tun müsste, wäre eine Nummer zu hinterlassen, und sie würde sofort anrufen, wenn der Studebaker für uns bereit wäre. Ich sagte, der Impala wäre in Ordnung und nahm meinen Führerschein heraus, damit wir mit den Formalitäten beginnen konnten. Das Mädchen versicherte mir, falls es uns Umstände machen würde, könnte der Studebaker auch zu unserer Adresse in der Stadt geliefert werden. Ich sagte, der Impala wäre in Ordnung, und ob wir uns nun den Papieren widmen könnten...

"Sir, ich glaube nicht, dass Sie den Impala nehmen sollten" sagte sie. Ich war verblüfft.

"Warum nicht" fragte ich.

Sie schluckte ein wenig, sah hinunter auf ihren Tisch und wieder zurück zu mir. Sie schluckte wieder. "Sir, es ist... es ist ein Chevrolet" sagte sie und sah wieder auf ihren Tisch.

Sprachlos.

Dazu fiel mir nicht mehr ein.

Was war falsch an Chevrolets? Ich sah zu der Frau, die mich ansah. Sie sah genauso sprachlos aus, wie ich mich fühlte und zuckte mit den Schultern, um das zu bestätigen.

"Was ist falsch mit einem Chevrolet?" fragte ich das Mädchen.

"Nun, Sir," zögerte sie ein wenig, "Sie haben einen NYC Akzent und brandneue Kleidung. Wir sind ganz gewöhnliches Landvolk hier in St. Louis, aber ich möchte nicht, dass Sie denken, alles was wir fahren, würden Chevrolets sein. Wir fahren auch Studebakers, wissen Sie?" Sie schniefte ein wenig und ihre Unterlippe begann zu zittern. Sie konnte nicht älter sein, als 19. Sie sagte nicht ‚Stjudbäker', sie sprach es aus wie Stoodybäkörrs'. Aber es war ihr ernst. Ihre Selbstachtung war mit im Spiel. Ich schüttelte meinen Kopf, als ob ich versuchen würde, Wasser aus den Ohren zu schütteln. Dieses schien wieder einer ‚dieser' Tage zu werden.

"Es ist OK," sagte ich, "wir sind nicht aus NYC, wir kommen aus Alaska. Eine Menge Leute verwechseln uns mit New Yorkern. Ich denke, das macht der Akzent."

Ihre Mine erhellte sich umgehend. "Oh, wirklich?" sagte sie enthusiastisch. "Ich wette, Sie fahren dort einen 4-Rad-Antrieb, nicht wahr?"

"Sicher, haben wir" sagte ich, "und einen 6-Rad-Antrieb dazu." Ich wollte, dass sie damit prahlen konnte, jemanden mit einem 6.Rad-Antrieb zu kennen. Es schien von Wichtigkeit zu sein in der örtlichen Kultur.

"Oh wow, golly gee!" konnte sie nur sagen und ich lächelte sie bescheiden an. Ich lächelte immer noch, bis ich die dolchartigen Blicke bemerkte, die mir meine Begleiterin zuwarf. Mein Lächeln endete abrupt.

Wir unterschrieben für das Auto und bezahlten das Taxi. Der Taxifahrer wollte kein Trinkgeld, aber ich sollte mir den Neuwagen ansehen, den er bewunderte. "Es ist ein Studebaker" sagte er, "wie sie ihn im Osten fahren." Ich schaute zum Studebaker. Er war knall-gelb.

Der Impala war ein 2-Türer, hatte aber einen genügend großen Kofferraum, um unser spärliches Gepäck aufzunehmen. Wir fuhren bis kurz hinter die Stadt und hielten in einem kleinen Ort, um etwas Grund-Nahrungsmittel für unsere Reise zu kaufen und dann steuerten wir Richtung Interstate Highway, die Straße, welche uns geradewegs bis nach Tulsa führen würde. Es war kurz nach 14 Uhr und der Himmel bewölkte sich. Der Impala war ein leichtes Fahrzeug und ich fühlte die aufkommenden Windböen an ihm zerren. Wir würden über kurz oder lang Regen haben, das wusste ich.

"Sie haben mir nie erzählt, dass sie einen 6-Rad-Antrieb zuhause in Alaska haben" sagte die Frau, als wir ca. 5 Meilen (8,045 Km) auf dem Highway hinter uns hatten. Ich wusste nicht, wie ich darauf antworten sollte und schwieg besser.

"Wir werden heute um die 200 Meilen (321,8 Km) schaffen", sagte ich, das Gesprächsthema wechselnd, "und irgendwo in einem Motel übernachten vor den letzten 100 Meilen" (160,9 Km)

Sie nickte. "Hört sich gut an, aber versprechen sie mir eines, bitte?" Ich wusste nicht, was das sein mochte, aber ich nickte. "Versprechen Sie mir, dass Sie heute Nacht schlafen werden?"

Ich nickte, dieses Mal etwas langsamer.





18.Hicksville, USA
Wir quälten uns weitere 4 Stunden durch das grässlichste Stück Landschaft, dass Missouri zu bieten hatte. Es regnete die meiste Zeit, die Windschutzscheibe wurde ständig vom anderen Verkehr mit schmutziger Gischt verdreckt. Ich war froh, dass der Chevy eine Regenwaschanlage hatte, trotzdem mussten wir diverse Male anhalten, um den Wischertank unter der Motorhaube aufzufüllen. An diesem Tag auf dem Highway zu fahren, war harte Arbeit. Es schien so, als wäre jeder Idiot in der Christenheit auf der Straße. Vielleicht war es das, wofür Missouri gemacht war, ein Platz für all diese Leute? Das düstere Wetter, das monotone Geräusch der Fensterwischer und eine anhaltende Abwesenheit von guter Musik im Radio, alles zusammen machte die Reise für eine Plackerei für uns beide. Trotz des Regens blieb es warm und schwül, ein kleiner Trick, den das Wetter gerne spielte in vielen Staaten in Amerikas Süden. Ich fragte mich, ob man je Autos mit Klima-Anlage bauen würde. Aber nein, was für eine alberne Idee.
Als der Tank der Waschanlage das dritte Mal leer wurde, hatten wir etwas mehr, als die geplanten 200 Meilen hinter uns, und so begannen wir nach einem Motel für die Nacht Ausschau zu halten. Ich war drauf und ran, mir zu wünschen, auf den Studebaker gewartet zu haben, weil die Chevy Sitze nur von einem als bequem bezeichnet werden konnten, dessen einzige Erfahrung in Transportmitteln ein schlecht gefedertes Maultier war. Mein Rücken schmerzte und ich sehnte mich nach einem heißen Bad. Außerdem waren wir beide wieder hungrig.

Es war wegen der dicken Wolken den ganzen Tag über nicht richtig hell gewesen aber nun setzte die Dämmerung ein. Wir waren 20 Meilen von der Staatsgrenze zu Oklahoma entfernt, als wir vom Highway abbogen zu einer kleinen verschlafenen Stadt, einem Schild folgend, ‚Motel 1 Meile'. Wir fanden es, 3 Meilen später.

Ich bog in eine Tankstelle ab, als ein Streifen schreiend blauer Himmel vor uns erschien, in einem langen Riss in den Wolken. Der westliche Himmel brannte orange, rosa und violett an den Wolkenrändern und war eine dicke aufgequollene Masse von Tiefblau, von grauen und schwarzen Wolken eingerahmt.
Zu unserer Rechten war ein Speiselokal, dahinter sechs bis acht Bungalows, über dem Eingang stand 'Diner Motel'. Es geht doch nichts über einen cleveren Slogan.

Der Tankwart war ein alter Mann, ungefähr in seinen Siebzigern, und konnte sich sicher noch an Zeiten erinnern, als es hier mehr Ess-Stationen als Tankstellen gab. Er begann den Wagen vollzutanken und ich öffnete die Motorhaube, um selber die Wasch-Anlage aufzufüllen. Selbst durch den Benzindunst hindurch konnte ich den Kaffee vom Lokal riechen und, Junge, er roch gut nach all den langweiligen Highway-Meilen.

Es war weniger ein Motel, mehr ein Lokal mit daran angegliederten Übernachtungshütten. Mit Sicherheit konnten wir einige der Hütten haben. So einsam, wie die Gegend war, konnten wir alle haben, konnte ich wetten. Ich war mir ziemlich sicher, wir waren weit genug von der Hauptstraße entfernt und hätten jeden sehen können, der versucht hätte, uns zu folgen. Ich hatte die Straße beobachtet, während der Tankwart mit dem Auto beschäftigt war und nichts bewegte sich in diesem Stauwasser zum Nirgendwo.
Außer der Blonden. Oh Mann, wenn sie sich bewegte, dann richtig.
Ich war erfreut, sie sicher zu wissen, in diesen separierten Unterkünften, anstatt eines Raumes innerhalb eines Hotels. Ich parkte den Wagen an der Rückseite und während sie ihre Nase pudern ging, checkte ich uns ein. Als sie zurückkam, trug ich ihre Taschen zu ihrer Hütte und wir kamen überein, uns zum Abendessen in 30 Minuten zu treffen. Danach bliebe der Rest des Abends, um uns von den Strapazen dieser schrecklichen Reise zu erholen. Nebenbei bemerkt, mochte ich nicht länger als 30 Minuten von ihr getrennt sein. Sie war eine Menge starker Medizin für diesen Viertel-Blackfoot.

Sie verspätete sich und ich rief sie an, um sicherzugehen, dass sie OK war. Sie war es und schalt mich ob meiner Besorgnis um sie. 30 Minuten später rief ich erneut an und wieder schalt sie mich. Ich wollte grade wieder den Hörer aufnehmen, da kam sie herein, als ob nichts ungewöhnliches daran war, eine Stunde später, als die verabredeten 30 Minuten zu kommen. Währenddessen hatte ich eine Überdosis Kaffee und Brezeln zu mir genommen und fühlte mich etwas seltsam. Das war teils, weil ich heißen, starken Kaffee mag und teils, weil ich Brezel nicht mag. Ein Grund, warum ich Brezel nicht mag, ist der, dass ich nicht aufhören kann, sie zu essen, auch wenn ich ihren Geschmack nichtleiden kann.
Jedenfalls war ich ein wenig nervös, als sie sich an meinen Tisch setzte und hatte Schwierigkeiten, die Menu-Karte stillzuhalten, in der ich vorgab zu lesen. Ich hatte mir ihren gesamten Inhalt während der Stunde eingeprägt, die ich auf meine Begleiterin warten musste, hungriger werdend und besorgter mit jede verstreichenden Minute. Deshalb begann ich, um mich abzulenken, die Brezeln zu essen. Und weil diese so trocken waren, bat ich wiederholt die Bedienung, meine Kaffeetasse aufzufüllen.

Ich blickte reuevoll auf den wilden Haufen aufgerissener Papier-Tütchen auf meiner Seite des Tisches, jede einzelne Zeuge für die Menge an Kaffee und den Zucker dazu. Ich war müde und wusste doch, ich würde lange nicht einschlafen können heute Nacht.

Nach einigen langen Minuten des Schweigens fragte sie mich "Möchten Sie eine Vorspeise?" "Ich möchte, wenn Sie möchten" sagte ich, hoffend, die Antwort gegeben zu haben, die von mir erwartet wurde. Ich hörte sie hinter ihrer Menu-Karte seufzen. Ich konnte lediglich einen Teil ihrer blonden Haare hinter der Karte erkennen und ihre sorgfältig manikürten Finger, die sie hielt. Ich versuchte, nicht wie ein Kind auf dem Stuhl auf und ab zu hüpfen und es war nicht einfach. Die Bedienung kam herüber, zückte ihren Stift und Block, erwartungsvoll auf unsere Bestellung wartend. Die Frau schien es nicht zu bemerken.

"Haben Sie schon gewählt?" fragte ich die Frau, darauf hoffend, es würde eine Aktivität hervorrufen, dort auf der bedruckten Seite ihrer Speise-Karte. "Möglicherweise" sagte sie, und sie klang dabei sehr nachdenklich. Ich blickte zur Kellnerin in Erwartung, sie ungeduldig oder wenigstens irritiert zu sehen, bei der Antwort der Frau, doch sie war gänzlich gelassen, abwartend, den Stift in Bereitschaft über dem Block haltend. "Kaffee!" sagte ich, plötzlich, und die Kellnerin verschwand in Richtung der Küche, ich war sicher, die Situation mit erfahrener Gründlichkeit übersehend.

"Was?" fragte die Dame, ohne eine Bewegung zu machen, die ich von meiner Seite ihrer Karte hätte entdecken können. Es war eine Frage, die keine Antwort erwartete, und so gab ich keine. Ich denke, auch wenn ich etwas gesagt hätte, vielleicht eine Liste von den Punkteständen der letzten Spielergebnisse, sie hätte es nicht gehört.

"Ich denke, ich bestelle... nein, eine Minute. Es ist so schwer zu entscheiden." Sagte sie zu niemand bestimmten. Die Bedienung kam zurück, in ihrer Hand eine Glas-Kanne mit dickem, sirupartigen Kaffee und pladderte ihn in meine Tasse. Meine Tasse hatte mehr Tide-Marken, als eine Hafenwand in New York, aber die Kellnerin machte keine Anstalten, sie für eine frische zu tauschen. Ihre andere Hand reichte hinunter zu dem leeren Brezelkorb nahm ihn mit zwei Fingern auf und ersetze ihn durch einen vollen, den sie mit zwei anderen Fingern gehalten hatte.

Dann drehte sie die beiden Schalen wie ein Hütchen-Spieler, sodass die neue Schüssel exakt an dem Platz der alten zum Stehen kam. Sie entschwand erneut.

"Ich denke, der Burger klingt gut" sagte die Dame, "und auch die Fritten" Als ich eine neue Packung Zucker aufriss, den halben Inhalt rücksichtslos verschüttend, fiel mir auf, dass Burger und Fritten, gedruckt in einer Speisekarte, weder gut noch schlecht klingen konnte, doch ich wollte nichts sage, was ihr Zögern, etwas auszusuchen, noch verlängert hätte. Tatsächlich bemerkte ich eine sich steigernde Lust zu schreien.
Die Brezeln sahen mich an. Sie schienen zu sagen "Wir hassen dich auch, und wir bringen dich dazu, uns zu essen" Es war eine Frage des stärkeren Willens zwischen ihnen und mir. Ich war gerade dabei, zu berechnen, wer gewinnen würde, als ich mich plötzlich dabei ertappte, dass ich längst kaute. Ausgetrickst durch einen Schlag unter die Zungen-Linie. Wieder war das Verlangen zu schreien da. Ich stopfte weitere Brezel in meinen Mund. Man kann nicht schreien mit einem Mund voll von Brezeln. Sie waren salzig und sehr trocken, saugten alle Feuchtigkeit aus meinem Mund.

Die Kellnerein schlenderte heran, wartete neben der Frau. Sie war abwechselnd beschäftigt mit ihrem Stift, den sie in Erwartung der Bestellung über dem Block hielt, und der Prüfung ihrer Fingerspitzen auf der Suche nach Beweisen, oder was immer es ist, was Kellnerinnen auf ihre Fingerspitzen bekommen können.

Inzwischen kam jemand anderer an unseren Tisch herüber. Er sah aus, wie der Inhaber, der uns willkommen heißen wollte, er sah danach aus. Ich versuchte meinen Mundvoll trockener Brezeln hinunter zuschlucken. Es war nicht einfach.

"Hi Leute" sagte er, uns mit einer fröhlichen Geste grüßend. "Ich bin der Nacht-Manager und ich hoffe, Sie genießen Ihren Aufenthalt hier. Hat Laura Ihre Bestellung schon?" Laura besah ihre Fingerspitzen ohne ein Wort zu sagen. Der Manager hatte mich noch nicht angesehen, aber beäugte die Frau die ganze Zeit.
Ein Brezel-Krümel kitzelte mich plötzlich im Hals ... ich unterdrückte ein Husten, indem ich alle Muskeln im Hals anspannte. In diesem Stadium war ich nicht in der Lage zu Atmen, versuchte aber, was die Lage verschlimmerte, gewaltsam die Brezeln herunterzuschlucken, die sich weigerten , weil sie so trocken waren, sich zum Magen zu bewegen. Ich erreichte ein Sackgassen-Stadium und fühlte mein Gesicht rot anlaufen vor Anstrengung, den Hustenreiz zu unterdrücken und nicht in der Lage zu sein, zu atmen. Ich griff nach meiner Kaffeetasse, in der Hoffnung, die Dinge ein wenig zu ölen. Aber in dem Moment, als ich nach der Tasse griff, sah der Manager den Haufen angesammelter Zucker-Tütchen auf dem Tisch und streckte auch seine Hand aus, um sie einzusammeln, in der Hoffnung, so der Dame etwas näher zu kommen. Er achtete nicht richtig auf den Tisch oder er hätte meine sich nach der Tasse ausstreckende Hand gesehen. Seine Hand traf meine und änderte ihren Kurs, sandte meine ausgestreckten Finger mit einem Stoß in den Henkel der Kaffeetasse, deren Inhalt sich größtenteils auf den Tisch ergoss.
Es rann plötzlich in alle Richtungen, ein Teil davon direkt in meinen Schoß. Der Manager und ich griffen gleichzeitig nach den Papier-Servietten und versuchten das Unheil einzudämmen. Der heiße Kaffee in meinem Schoß war so schmerzhaft und unerwartet, dass ich noch mehr an dem Mund voll Brezeln schlucken musste und unten waren sie.

"Es tut mir SO leid!" rief der Manager in alarmiertem Tonfall ob dieser kleinen Katastrophe. "Sie müssen von mir denken, ich wäre sehr ungeschickt."

Das tat ich, jawohl, und wollte es ihm sagen, als ein plötzlicher und lauter Brezel-verursachter Schluckauf über mich kam. "Hick!" machte es in einer klaren, hohen und lauten Stimme.

Der Manager erstarrte in seiner tupfenden Haltung. "Wie war das bitte?" sagte er zu mir. Ich sah ihn an, mit immer noch gerötetem Gesicht und nun mit geweiteten Augen, genauso überrascht, wie er. "Hick!" wiederholte ich unbeabsichtigt. Dieser zweite war noch lauter, als der erste.

"Ich werde Ihnen jeden Schaden ersetzen, Sir, und Ihre Sachen werden über Nacht gereinigt und getrocknet, mein Wort darauf. Aber es besteht kein Grund, unhöflich zu werden. Es war nur ein Unfall"

"Hick" brach es wieder aus mir heraus. Meine Augen weiteten sich noch mehr in einer Kombination aus Horror und Kaffee, als mir klar wurde, was er dachte, dass ich sagte. [pun: Hick = Hinterwäldler] Ich konnte nicht sprechen, aber das Koffein trieb mich an, machte mich kraftvoll willens, die Brezel-verursachte Behinderung zu überwinden. Mein Gesicht verzerrte sich, als ich versuchte, intelligente Laute auszustoßen, gegen die Trockenheit in meiner Kehle anzukämpfen, aber all meine Anstrengungen waren vergebens.
Ich musste etwas tun, um dem Manager zu versichern, dass ich nicht gesagt hatte, was er dachte, dass ich gesagt hätte, so griff ich den Ärmel seines Anzugs in, wie ich dachte, freundlicher Art, und stand auf. Ein "Hick!" kam heraus, noch lauter diesmal, und der arme Mann schreckte zurück. Er blickte entgeistert auf seinen Ärmel, den ich hielt, und zurück in meine Koffein-geweiteten Augen, sein Selbsterhaltungstrieb schaltete sich ein. Es trieb ihn zur Küchentür.

Das lauteste "Hick!" von allen folgte ihm nach.

Die Brezeln machten das Rennen für mich. Es war kein Wettkampf.

"Hick!"

Den ungleichen Kampf aufgebend, setze ich mich wieder und griff nach den verbliebenen Resten Kaffees in meiner Tasse. Ich trank aus.

"Die Hühnerpastete könnte schmecken" sagte die Blonde, sich nichts anderem bewusst, außer der Menu-Karte vor ihr.

"Wollen Sie jetzt bestellen, Sir?" fragte die ungerührt dastehende Kellnerin.


19. Mehr Missouri Miseren
Ich wachte am nächsten Morgen um 5.30 Uhr auf, schlug die Sonne um mehrere Minuten. Normalerweise ist die Morgendämmerung der schönste Teil des Tages, aber nicht an diesem Morgen. Der Himmel wechselte von schwarz über dunkelgrau zu hellgrau, und blieb so. Es hatte die Nacht hindurch geregnet und regnete immer noch, wie das Dach des Bungalows durch das Geräusch fallenden Regens reichlich Beweise dafür lieferte. Ich ging duschen und zog eine Grimasse, als kein heißes Wasser kam. Eine lauwarme Dusche macht mir nichts aus und manchmal erfrischt mich auch eine kühlere Temperatur, aber kalte Duschen sind zu sehr wie eine Art Strafe, um irgendjemand zu erfreuen. Außer vielleicht die Bewohner von Oklahoma.
Nachdem ich geduscht hatte, war ich im Nu angezogen und begann hungrig zu werden. Ich unterdrückte die Erinnerungen an das Dinner der letzten Nacht, bevor sie mir den Appetit verdarben. Ich ging zum Frühstücken hinüber zum Lokal, klopfte an die Bungalowtür der Frau, als ich daran vorbeikam, und teilte ihr durch die geschlossene Tür mit, wo ich zu finden war. Die letzten paar Meter rannte ich, um schnellstmöglichst aus diesem Regen zu kommen.

Als ich ins "Diner" eintrat, verzog sich der Manager sofort wieder zur Küche. Ich begann mit Kaffee und Toast. Das würde mir beim Denken helfen.

Der Chauffeur war mit dem Buick auf der Strecke nach Tulsa verloren gegangen. Der Zeitpunkt seines letzten Anrufes ließ darauf schließen, dass er dabei irgendwo in der Nähe von St. Louis war. Wenn er nach Tulsa gefahren wäre, hätte er dieselbe Straße genommen, wie wir. Und dann waren da noch die seltsamen Vorkommnisse mit all den Klo-Becken. Die Frau und ihr geheimes Flash-Projekt waren in all das verwickelt, weil zu viele Dinge geschehen waren, seit sie in mein Leben getreten war.

Die Dame wählte diesen Moment, um den Speiseraum zu betreten. Der Toast war plötzlich zehn mal härter zu schlucken, aber ich schaffte es jedenfalls, wenn ich auch dabei Luft mitschluckte.

"Die Dusche war eiskalt" beschwerte sie sich.

"Ja" sagte ich, hustend und stotternd "das sehe ich" Ich hoffte, sie würde mein leichtes Erzittern nicht bemerken.

Ihr Anblick genügte, um den Manager unter Strom zu setzen, entweder trieb ihn sein Mut oder seine Libido die Sicherheit hinter dem Speisekammer-Kühlschrank der Küche zu verlassen, und schlidderte nervös auf und zu.

"Guten Morgen Madame, SIR" sagte er.

Und wie sein Blick während seines Morgengrußes von der Dame zu mir wechselte, so änderte er sich von süß und leicht zu trotzigem Starren. Ich war versucht "Buh" zu sagen, um zu sehen, wie zerbrechlich sein neugefundener Wagemut war, aber ich wollte ihn nicht verletzen.

"Ich darf annehmen, die Bungalows waren zu ihrer Zufriedenheit?" lächelte er wieder süßlich.

"Fein, abgesehen von den Badezimmern. Es gab kein heißes Wasser" sagte die Frau. "Das gleiche bei mir" fügte ich hinzu, ohne von ihm gehört zu werden.

"Unglücklicherweise hat man während der Nacht hier eingebrochen, es tut mir leid, vermutlich jugendliche Straftäter. Sie brachen durch ein Fenster in der Damen Toilette ein, und stahlen eines der Klo-Becken. Wir mussten das Wasser für eine Weile abstellen. Es tut mir schrecklich leid!"

Die Dame und ich sahen uns wortlos an.

"Lagen Erdnüsse dort auf dem Boden?" fragte ich ihn, ohne meinen Blick von der Dame zu wenden. Ich wusste ohnehin, wie die Antwort lauten würde.

"Warum ... Ja! Wie konnten Sie das wissen?" fragte der Manager, unfähig, seine Überraschung zu verbergen. "Ich bin Privat-Detektiv" antwortete ich einfach und unangemessen. "Hat sonst irgendjemand heute Nacht eingecheckt, oder getankt?"

Er schüttelte seinen Kopf zum ersten Teil meiner Frage und erklärte, dass er nichts zu den Zapfsäulen sagen könne, aber dort würde um 20 Uhr geschlossen und der Tankwart der Nachtschicht würde nicht vor ein paar Stunden nicht erreichbar sein. Es gab keine Veranlassung, auf ihn zu warten, um ihn zu befragen... Ich war mir ziemlich sicher, sie hatten dauernd Fremde, die tanken wollten, und ich war mir nicht so sicher, ob der Alte mir von ihnen erzählen würde.

Nun wusste ich, wofür die Erdnüsse benutzt wurden, und wer sie benutzte, aber nicht warum. Ich war mir verdammt sicher, dass in den Bungalow der Dame eingebrochen werden würde, 30 Minuten, nach unserem Aufbruch. Als der Manager sich seinen anderen Aufgaben zuwandte und eine sehr junge Kellnerin uns das Frühstück brachte, sahen wir uns noch immer an, beide nachdenkend.

"Mike, was geht hier vor?" fragte sie bald darauf.

"Ich weiß es wirklich nicht" antwortete ich ehrlich "aber ich denke nicht, dass Sie in unmittelbarer Gefahr sind. Falls diese Person sie verletzen wollte, so hätte sie es letzte Nacht tun können."

Sie rührte in ihrem Kaffee und sah durch das Fenster in den regnerischen Tag hinaus. Regentropfen rannten langsam an der Fensterscheibe neben uns hinunter. Draußen stiebte der Regen auf die Autodächer, es sah aus, als hätte jeder Wagen seinen eigenen persönlichen Nebelvorhang um sich. Immer noch rührte sie langsam in ihrem Kaffee, ihr Blick war meilenweit weg aus dem Fenster hinaus, und sie begann eine Melodie zu summen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ich erkannte es als "Auf in den Kampf, Torero..." , welches die meisten Menschen wohl mit einer Ansage zum Kampf assoziieren würden. Ich würde sie das später fragen, auf unserem Weg nach Tulsa, Oklahoma.

Mein Handy klingelte. "Mr. Hammer, hier spricht ihr Glaser. Das ist ein Routine-Anruf. Ich frage mich, ob heute ihr Büro nachgesehen werden muss?"

"Nein danke" sagte ich "aber ich weiß jemanden hier in Missouri, der Ihre Hilfe benötigen würde."

20. Route 66 nach Tulsa
Rodgers and Hammerstein hatten eine Menge zu beantworten. Sie machten Oklahoma bekannt. Als ich über die Staatengrenze fuhr, fühlte ich ein Gewicht auf mir lasten. Das war Oklahoma. Es war deprimierend. Mehr als deprimierend. Rodgers und Hammerstein hatten Lieder geschrieben über einen Oklahoma Sommer mit Vögeln, die träge am Himmel ihre Kreise zogen. Das einzige, dass je an Oklahomas Himmel kreiste, waren Geier oder Tornados. Sie hatten von beidem reichlich.
Aber heute nicht. Heute hatten sie dafür reichlich Regen. Oder es war vielleicht eine Wolke, die sie speziell für Besucher bereithielten. Es regnete immer, wenn ich mich in diesem Teil von Oklahoma aufhielt. Es regnete immer, wenn ich mich in irgendeinem Teil von Oklahoma aufhielt.

Oklahoma ist ein Staat mit vielen geografischen Kontrasten, es hat Wüsten in der Tiefebene, eine höhergelegene Stein-Ebene, weiter Ackerflächen, und hier in der nord-westlichen Ecke üppig grüne Vegetation. Es war die falsche Jahreszeit, als dass hochgewachsenes Getreide zu sehen gewesen wäre, wie in dem Lied "corn as high as an elephants eye" (... so hoch, wie eines Elefanten Auge) und ich fragte mich, was Rodgers zu dieser Analogie veranlasst hatte. Gerade jetzt war es sehr passend, auf eine Art, die Rodgers sich nicht gedacht hätte.

Tulsas Flugplatz lag rechts vom Highway und das Erste, dass wir von der Stadt zu sehen bekamen. Er war groß und geschäftig und als wir die letzten 10 Meilen des Highway fuhren, konnten wir eine Menge Jets starten und landen sehen, seit wir den ersten aus der zerklüfteten Wolkenschicht herunterkommen sahen, Kurs auf die Landebahn nehmend. Da bemerkte ich zum ersten Mal die Fliege am Innenspiegel. Ich verscheuchte sie mit meiner Hand, sie flog einmal rund um den Spiegel und entschwand dann irgendwo in das Wageninnere.

"Daddy hat dort auch eine Fabrik" sagte die Dame, als wir ein großes Abfahrtschild zum Flughafen Eingang passierten "dort entwickeln wir Maschinen für unsere Renn Flugzeuge. Wir haben dort ebenfalls eine Reihe leichter Transporte, denke ich" Ich nickte und plötzlich wurde mir bewusst, dass ich nicht wusste, wo ihr Vater sich zur Zeit aufhielt.

"Oh, er ist wahrscheinlich noch in Europa. Ich habe mit ihm vor ungefähr einer Woche telefoniert. Wenn ich so darüber nachdenke, dann war es das letzte Mal, dass ich John sah, denn ich sprach mit Daddy über Autotelefon, während John mich zur Stadt hochfuhr."

Sie lotste mich hinter dem Flughafen von der 66 und durch die Strassen der Stadt zur Waffen Fabrik, die ihr Projekt Flash beherbergte. "Haben Sie da Das Flash Projekt mit ihrem Vater diskutiert?" fragte ich. Die Fliege landete auf meinem Hals, flog aber auf, als ich meinen Kopf, ärgerlich über ihr Vorhandensein, zur Seite drehte.

"Oh sicher," sagte sie "er war besorgt über die anhaltenden technischen Schwierigkeiten und dass die Militärs anscheinend das Interesse daran verloren. Ich teilte ihm mit, dass die Militärs das gesamte Konzept überdenken würden, wegen der beschleunigten Abnutzung des Laufes, dass Schnell-Laden verursachen kann."
Ich muss wieder ziemlich ratlos ausgesehen haben.
Sie erklärte weiter. "Wenn Sie eine Waffe dreimal schneller laden, als gewöhnlich, kann das die normale Abnutzung um das Zehnfache erhöhen, weil die Waffe nicht genügend Zeit zum notwendigen Abkühlen erhält. Je heißer der Lauf wird, um so mehr nutzt er bei jedem Schuss ab. Es ist in Ordnung für einen kurzen Schnellfeuerstoß, aber die häufigste militärische Verwendung der Howitzer ist für Einzelfeuer Einsatz. Verdreifacht sich die Feuer-Rate, kann dem Lauf der Laufpass gegeben werden nach nur einem Tag Benutzung. Das ist zu teuer in der Anschaffung für den regulären militärischen Gebrauch. So hatte ich das Gefühl, das Militär war nicht mehr so begeistert von dem Flash Projekt, aus Gründen, die nichts mit unseren eigenen Problemen zu tun hatten."

Ich sollte nicht so von ihr beeindruckt sein, und doch war ich es. Ich sagte zu mir selbst, dass ich immer gewusst hatte, dass sie eine kluge Frau war, aber ich war dennoch beeindruckt von ihr. Es ist wie wenn dein Kind im Schulkonzert aufsteht und ein Solo gibt ... du bist stolz, weil es dein Kind ist, nicht weil es schön singen kann. Und ich begann, sie als ‚meine Dame' anzusehen. Es bekam etwas persönliches.

Die Fliege landete auf meinem rechten Handrücken. Sie war eindeutig ein wenig schläfrig. Vielleicht fühlte sie sich genau wie ich deprimiert, in Oklahoma sein zu müssen. Ich versuchte, sie mit meiner linken Hand zu verscheuchen, aber sie war nicht zu schläfrig und war weg, lange bevor ich die Stelle erreichte. Sie kreiste kurz vor meiner Nase, bevor sie wieder nach hinten verschwand.

Der Verkehr auf der Straße nahm zu. Es ging auf Mittag zu und es hatte aufgeklart von konstantem Regen zu etlichen leichten Schauern, zwischen denen die Leute kurz zum Einkaufen und anderer Erledigungen herauskamen. Wir fuhren nordwärts auf einer Straße, die sich nun in drei Fahrstreifen in unserer Richtung öffnete, in der Gegenrichtung jedoch nur zwei hatte. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens auf unseren drei Fahrstreifen, waren wir mit unserer Geschwindigkeit auf 20 Meilen die Stunde herunter. (ca. 32,2 Km/h), während der Verkehr aus der Stadt heraus nur spärlich war. Ich fragte mich, wie es möglich sein konnte, dass mehr Autos in eine Stadt hinein fuhren, als herauskamen, aber dann erinnerte ich mich, dass dieses Oklahoma war und ich schauderte innerlich. Ich war plötzlich froh, dass unser Wagen Kennzeichen aus Missouri hatte und nicht aus New York.

Es war nicht einfach, mich zu unterhalten, ich musste verstärkt auf den Verkehr achten, der mir viel mehr Aufmerksamkeit abverlangte, als die einfache Fahrt auf der Landstraße, aber die Frau wies mich an, auf die Mittelspur zu fahren und dort zu bleiben.
Ich hörte die Fliege von irgendwoher und konnte sie kurz aus dem Augenwinkel sehen, aber als ich genauer hinsah, war sie schon wieder weg. Sie begann mich ernsthaft zu stören. Wir kamen in eine Verkehrsstockung und dann ging es nur noch im Schritt-Tempo und Stop-and-go weiter auf allen drei Bahnen, man findet nie heraus, was so einen Stau verursacht.
Fahrer und Mitfahrer begannen sich die anderen Autos anzusehen, ein Fahrer zuckte zu einem anderen die Schultern, als ob er ‚Schlag mich' sagen würde. Ich wusste, die Frau würde die Aufmerksamkeit der männlichen Fahrer rechts und links neben uns auf sich ziehen. Ich bemerkte, wie sie sie verträumt ansahen, wann immer ihnen der Verkehr die Chance dazu gab. Oklahoma. Ich schauderte wieder, und hoffte, dass niemand von ihnen bewaffnet war.

"Es ist eine Fliege im Wagen" sagte die Dame und sah sich danach um. "Ja. Sehen Sie, ob Sie deswegen irgendetwas unternehmen können, bitte" bat ich sie. Sie verdrehte ihre Augen und hielt ihre Hand, bereit nach dem Tier zu schlagen. Aber die Fliege hielt sich versteckt.

"The corn is high as an elephants eye" sagte ich. "Hah?" fragte sie und ich lächelte: "Es ist ein Lied". "Das weiß ich, Sie Dummerchen" antwortete sie gutmütig. Sie wollte fortfahren, aber sie sah die Fliege auf dem Armaturenbrett vor ihr. Sie schlug danach, aber das Insekt war zu schnell für sie, flog gegen die Windschutzscheibe und war kurz verwirrt ob des unsichtbaren Hindernisses. Als die Fliege erneut dagegen anflog, vergeblich versuchend, zu entkommen, schlugen wir beide in schneller Folge danach, und verfehlten, unsere Hände schlugen gegen die Frontscheibe, als ob wir eine 2-Personen Trommel-Übung starteten.
Der Fliege wurde klar, dass es hier vorne für sie nicht sicher war, stieg in den Autohimmel und wieder von dannen in den rückwärtigen Bereich. Beng! Die Frau traf die Dachbespannung und ich fühlte das Auto schaukeln, als sie sich im Sitz herumwarf, um zu sehen, wohin das Tier verschwunden war. Sie dachte, sie hätte es erwischt und suchte auf meiner Schulter nach dem toten Körper. Sie hielt ihre Hand erhoben, bereit für jeden Trick, den eine tote Fliege ausführen könnte, als sie auf meinen Hemdkragen und meine Brusttasche starrte. Da war keine Fliege. Ich sah an ihr vorbei zu dem Autofahrer zu unserer Rechten und fand ihn zu uns herüber starrend mit einem halb gefrorenen Lächeln auf seinem Gesicht.

"Ich frage mich, warum Sie diese Zirkus Melodien summten" sagte ich zu ihr.

Die Fliege erschien an ihrer rechten Seite, zwischen ihr und dem Fenster. Sie schoss herum wie ein Eisläufer und schlug hart auf die Seitenscheibe, einmal, zweimal, dreimal, dann schlug sie wieder an die Frontscheibe. Die Fliege kam herüber zu meiner Seite und setzte sich auf den Rand der Anzeigen hinter dem Lenkrad. Ich beugte mich vor und versuchte, sie zu einer Position zu scheuchen, in der man sie treffen konnte, während die Dame mit der Hand in der Schwebe auf den rechten Moment wartete.

"Oh die" sagte sie "John summte sie immer. Ich glaube ich habe seine Gewohnheit übernommen, Sie wissen, wie eingängig diese Melodien sein können."

Die Fliege verkaufte uns beide für dumm, als sie zunächst meine Scheibe aufwärts flog und sich dann schnellstens absetzte und zu ihrer Seite hinüber flog. Wir beide jagten sie, schlugen an die Frontscheibe und die Oberkante des Armaturenbrettes, doch kam keiner von uns annähernd nahe genug für einen Treffer. Sie war zu schnell für uns.

Der Verkehr vor uns kroch dahin, und voraus konnte ich eine Behelfs-Ampel ausmachen, die den Verkehr an einer Baustelle vorbei regelte. Sie wechselte von grün zu rot und ich nahm mir vor, ein Auge auf den Wagen vor uns zu behalten, in dem Wissen, er würde in wenigen Sekunden anhalten.

"Er trainierte Tiere in einem Zirkus, bevor er unser Chauffeur wurde" fügte sie hinzu.

Die Fliege landete erneut auf meinem Hals.

"Halten Sie still" zischte sie und hob heimlich die Hand zum Schlag. Ich zuckte innerlich zusammen, bei dem Gedanken an das Folgende und fühlte die Fliege ihre Beinchen straffen, bereit wieder in die Luft zu springen.
‚Patsch' Es war ein leichter Schlag, aber es war trotzdem einer. Ich war erleichtert, dass die Fliege entkommen war und nicht auf meinen Hals zermanscht wurde, doch die Frau schlug noch zweimal danach auf meiner Schulter und zweimal auf meiner Brust, bei ihrer Verfolgungsjagd. Sie lehnte sich zu mir herüber, ihr Arm über meiner Brust und ihre Hand bereit, die Fliege auf der anderen Schulter zu erwischen, wo diese sich vorübergehend unter meiner Schulterklappe eine Ruhepause gönnte. Mir gefiel die Situation. Es fühlte sich gut an. Ich kurbelte das Fenster herunter und die Fliege entkam durch die weite Öffnung nach draußen.
Ich stieg vorsichtig in die Bremsen und der Wagen kam am Stauende zum Stehen. Zu unserer Rechten und Linken hörten wir die Geräusche von eindrückendem Blech und brechendem Glas, als die beiden Autos beidseits auf die vor ihnen haltenden Wagen auffuhren. Die beiden Fahrer starrten noch immer zu uns mit einer Mischung aus Horror und Unglauben auf ihren Gesichtern. Schließlich kurbelte der Fahrer auf der Seite der Frau sein Fenster herunter und rief aus "Lady, ich weiß nicht, was er Ihnen angetan hat, aber ich hoffe, sie lassen ihn dafür bezahlen." Yep, das war Oklahoma. Und ich war Sehr froh, dass diese Jungs nicht bewaffnet waren.




21. Mehr Puzzle Teile
Das Puzzle ergab immer noch keinen Sinn für mich, aber wenigstens schafften wir es bis zur Firma ohne weiteren Zwischenfall. Als wir uns dem Tor näherten, warf der Wächter einen knappen, verächtlichen Blick auf den Chevy und mich. In Anbetracht der Tageszeit nahm er wohl an, ich wäre ein weiterer Hausierer, der versucht, der Firma etwas zu verkaufen, ohne sich vorher angemeldet zu haben. Aber sobald er im Wageninnern die Dame entdeckte, änderte er seine Haltung sofort und winkte uns ohne nachzufragen durch. Ich bekam eine Ahnung, wie es sein musste, wenn man so wichtig war. Sie lotste mich zu einer Parkzone neben einem großen Gebäude, über dessen Haupteingang ein großes Schild prangte mit der Aufschrift ‚Empfangs Büro' . Ich fuhr den Chevy in die Parklücke und war froh den Motor abzustellen nach all der Fahrerei.
Was ich nun wirklich brauchte, war ein Kaffee. Es waren wohl an die acht Gebäude auf dem Firmengelände, soweit ich es sehen konnte, die meisten klein, ziemlich alt und ihren industriellen Charakter verratend. Aber nichts deutete darauf hin, dass hier kleine Waffen gefertigt wurden, es gab keinerlei Hinweise auf ein geheimes Projekt, das hier stattfand. Am Ende des Parkplatzes entlud lautstark ein Gabelstapler Stahl-Behälter von einem LKW und lagerte sie ein in einem der halbrunden Warenhäuser, die wie Flughangars aussahen. Die Autos der Angestellten waren in verschiedenen schmalen Buchten rund um die Gebäude geparkt und eine Anzahl von Firmen Fahrzeugen stand ungenutzt am Rand eines erhabenen Lade Docks, dass keinem Nutzen zu dienen schien, ein Relikt der Vergangenheit, ohne Verwendung für die jetzige Firma. Eine Reihe junger Männer saß auf dem Dock, Sandwiches aus ihren Lunchboxen essend. Ich schaute auf meine Armbanduhr und sah, dass der eine Zeiger auf der ‚1' stand, es also um die Mittagszeit war. Ich nahm mir vor, eines Tages den andern Zeiger zu reparieren, sodass ich auch wieder die Minuten ablesen konnte.
Das Gebäude direkt vor uns war ein wenig anders, als die restlichen Bauten. Wie ich schon sagte, es war größer, als die restlichen. Es war außerdem offensichtlich ein Büroblock über zwei Stockwerke mit geschliffenen Waschbetonplatten. Es dominierte die Seite und war das erste, was man vom Highway aus sehen konnte, aber die zwei Reihen Stacheldraht und die Schilder alle 20 Meter mit der Aufschrift ‚Bewachtes Gelände - Schusswaffengebrauch - Betreten Verboten' bedeuteten, dass dieser Platz niemals einladend auf den gelegentlichen Besucher wirken konnte.

Die Parkbuchten selbst waren noch ein Stück weit von dem Gebäude entfernt. Ein paar breite, weitausholende Stufen führten hinauf zur Glasfront des Empfangsbüros und schon von weitem zu sehen waren eine feine Kollektion von Topfpalmen und Gummibäumen. Die Glasfläche lies die Fenster des Gebäudes dagegen klein erscheinen. Ich bemerkte, dass alle diese Fenster geschlossen waren, sodass ich annahm, die Räume dahinter waren klimatisiert. Wir stiegen aus dem Wagen und ich streckte meine Beine. Chevys waren nicht für Männer wie mich gebaut. Während ich mich der Treppenflucht näherte, bemerkte ich, dass rund um den Fuß des Bauwerks eine Art Schacht im Beton verlief, es sah von meinem Standort ein wenig wie ein trockener Wassergraben aus. Nachdem ich etwas die Stufen hinauf gegangen war, offenbarte sich mir ein Untergeschoss und der Betongraben ermöglichte Tageslicht für die Fenster der Büros im Untergrund.

Der Tag war gleichzeitig nass und warm ohne übermäßig schwül zu sein. Durch die Glastüren zu treten war wie der Eintritt in eine andere Welt, wo die Luft ein bisschen zu kühl und zu trocken war, und zu der die Geräusche der Außenwelt nicht durchdrangen. Einzig das leise Rumoren der auf Minimum arbeitenden Umwälzanlage und das Rascheln der zwei Bediensteten hinter der Rezeption, die versuchten, sehr beschäftigt auszusehen, angesichts des unerwarteten Auftauchens ihres Chefs. Während wir auf das Pult zugingen, fing meine Nase den Duft von frischem Aroma ein. Heh, das gab zu Hoffnung Anlass und ich warf einer der Rezeptionistinnen meinen besten ‚Ich könnte wirklich einen Kaffee gebrauchen' Blick zu.

"Guten Morgen" lächelte sie die Dame an, erweitete das Lächeln auf uns beide. "Soll ich Mr. Stern wissen lassen, dass Sie hier sind?" Fragte sie die Dame. "Ja bitte, Maggie, falls Chris nicht zu beschäftigt ist. Oh, und mein Freund hier wird sich eintragen wollen." Freund? Ich fragte mich, über wen sie sprach, aber Maggie sah direkt zu mir, und irgendwie ging mir auf, dass ich gemeint war. Das andere Mädchen holte das Register heraus und schob es über das Pult zu mir während Maggie mit einer anderen Sekretärin irgendwo im Gebäude telefonierte.

"Er hat sofort Zeit für Sie, sobald er ein anderes Gespräch beendet hat" sagte sie zu uns beiden. "Soll ich Ihnen einen Kaffee holen?" Ah, es hatte doch noch funktioniert. Es zahlt sich aus, in Begleitung des Chefs zu sein.

"Nein danke, wir haben nicht viel Zeit jetzt" antwortete die Dame.

Ich sah sie mit schmerzerfüllter Enttäuschung an, meine Augen sagten ‚Nicht?'. Sie schüttelte ihren Kopf und lächelte mitfühlend in meine Richtung. Ich mochte das. Doch ebenso wollte ich einen Kaffee.

Ich gab das Buch zurück an das Mädchen und sie fügte selbst ein paar Eintragungen hinzu, dann gab sie mir eine Karte und bat mich, diese für jeden sichtbar an meine Manteltasche zu klemmen. Ich wurde sehr ernsthaft darauf hingewiesen, das Gebäude nicht ohne den Pass zu verlassen und nirgends ohne meine Eskorte hinzugehen. Ich wette, sie hätte einen wundervollen Lehrer abgegeben. Sie hätte all diesen kleinen Kinder kleine Abzeichen angeheftet und sie nur in Gruppen herumlaufen lassen und mit dem großen, bösen Direktor gedroht. Ich lächelte und nickte ihr zu. Es war sicherer so. Ich befürchtete, sie würde mir sonst Extra-Hausaufgaben geben.

Nachdem die Formalitäten erledigt waren, ging die Blonde an der Rezeption vorbei zu einem der drei großen, schwarzen Ledersesseln, die halbverborgen inmitten der Gummibäume standen. Sie setzte sich, brachte ihre wundervollen langen Beine zur Geltung und teilweise ihre Oberschenkel. Ich brauchte nun ernsthaft diesen Kaffee. Ich entschied mich dagegen, neben ihr Platz zu nehmen, weil die Verlockung diese Beine anzusehen, momentan nicht zu ertragen war. Ich tapste unauffällig zur Glasfront des Büros und vertrieb mir die Zeit mit hinausschauen. Vielleicht würde jemandem auffallen, dass ich übel gelaunt war, weil ich keinen Kaffee bekam.

Die Glasplatte war sehr dick und tauchte die Welt in ein düsteres, grünliches Leuchten. In der Wachstube beim Haupttor sah ich zwei Wachtposten ihre Aufgaben verrichten, der eine handelte den ein- und ausfahrenden Verkehr ab und der andere beobachtete vier Bildschirme. Sie hatten also ihre eigenen Fernseh-Kameras hier, welches in meinen Augen sehr kultiviertes Sicherheits-Equipment war. Die Wachen schienen sehr gewissenhaft und ich gewann den Eindruck, dass sie hier ihre Sicherheit ernst nahmen, was ich bei einer kleinen Waffenfabrik als Voraussetzung ansah. Ich beobachtete das Kommen und Gehen für einige Minuten, dann wandte ich mich um zur Dame, ob sie noch dort wäre, denn sie war sehr still gewesen, und ich war überrascht, sie eine Reportage in einem Magazin lesen zu sehen, dass sie aus ihrer Handtasche genommen hatte, und sie schien Randbemerkungen zu schreiben. Diese langen Beine waren immer noch zu sehr sichtbar und so sah ich wieder nach draußen.

Einer der LKWs, welcher am Lade-Dock geparkt war, fuhr vorbei Richtung Wachstube. Der LKW war nur ein Pick-up ohne Aufbauten, so flach wie leer, aber der Wächter hielt in für ca. Minuten auf, checkte die Papiere, das Heck des Truck und öffnete Beifahrertür der Fahrerkabine, um auch dort einen Blick hineinzuwerfen. Yep, die Sicherheit war in Ordnung, gut so.

All dies spielte sich nur 100 Meter von mir entfernt ab, und doch hörte ich nicht einen Laut von draußen. Es war unheimlich. Ich besah mir das Glas genau vor mir genauer und seitwärts, wo das Glas vom Rahmen gehalten wurde. Dort waren zwei Scheiben Glas in einem Abstand von 5 cm. Ich hatte nie zuvor Doppelverglasung gesehen.

Hinter mir hörte ich jemand Schwingtüren aufstoßen und ich drehte mich um. Ein Typ um die 40 im schicken Anzug kam hindurch und ging auf die Dame in der Sitzgruppe zu. Sogar von hier konnte ich sehen, dass die Schwingtüren um die 10 cm dick waren und in schweren Angeln und Scharnieren hing. Für einen kurzen Moment füllte sich die Rezeption mit Lärm aus den dahinterliegenden Büros ... jemand lief mit quietschenden Schuhen über einen Linoleum-Boden, ein Schreiber klapperte auf seiner Maschine in einem Nebenraum, ein Trolley wurde einen Korridor hinunter gerollt, eine Frauenstimme echote zusammenhanglos über den Flur ... dann schwangen die Türen mit einem satten ‚woompf' und diese lebendigen Geräusche waren wiederausgesperrt. Die Rezeption erschien ohne sie plötzlich steril.

"Tut mir leid, dass ich sie warten ließ, ich habe Sie heute nicht erwartet" sagte der Typ zu der Dame, als sie aufstand. Er streckte seine Hände aus und hielt ihre, lehnte sich vor und küsste sie leicht auf die Wange. "Chris-Schatz, du weißt, ich will dich sehen, wann immer ich kann" antwortete sie und lächelte ihn lieblich an.

Ich fühlte mich wie von einem Tracktor überfahren, der einen 5-scharigen Pflug hinter sich herzog. Sie fuhren in ihrer Unterhaltung fort, aber ich hörte nicht mehr zu. Ich fühlte mich plötzlich so leer. Ich wollte nach Hause, zurück zu meinem netten, unsicheren New York und zu einem Platz, an dem keiner war, der mich kümmerte. Zum ersten Mal in meinem Leben vermisste ich mein altes, nicht Klimageregeltes Büro mit dem kaputten Lift und eigenem winzigen Schlafzimmer und Bad.

Ausgenommen, dass zur Zeit mein Büro kein funktionierendes Bad hatte.

Mir fiel auf, dass mein Badezimmer eingebrochen war, weil in es nicht eingebrochen werden konnte.

Es war ein weiteres ‚Himmel-Puzzle-Teil'. Für sich alleine bedeutete es nichts, aber ganz in seiner Nähe war ein ‚Eckstück' verborgen, dessen war ich mir sicher.

"Lassen sie uns zu meinem Büro gehen" sagte der Typ zu uns beiden. Sie ging an seiner Seite. Ich folgte ihnen. Sie redeten zusammen. Ich folgte ihnen. Sie lachte und er lachte. Ich folgte ihnen.

Warum fühlte ich mich so verletzt.


22. Ein Eck-Stück
Der Korridor war, wie vorhin erwähnt, angefüllt mit diesen bürotypischen Geräuschen, aber es war niemand auf dem Gang. Der braune Linoleum-Flur erstreckte sich vor und hinter uns, versteckte sich hinter entfernten Ecken herum, bis dahin ununterbrochen und nichts, dass ihm seine ungebrochene Härte nahm. Ich sah flüchtig Leute in den Büros seitwärts, einige klein und andere nicht ganz so klein. Auf der Hälfte der Flurlänge kamen wir an eine Stahl-Treppenschacht und stiegen hinauf zum nächsten Stockwerk. Auf den Stufen fiel mir auf, dass keinerlei Geräusche aus dem Untergeschoss zu uns drangen. Ich war nun sehr neugierig, was dort unten war.
Der Korridor im oberen Stock war im Aussehen fast mit dem im unteren Stockwerk identisch. Doch wir gingen ihn nicht weiter, sondern traten durch ein paar Teak Schwingtüren in ein Vorstands-Büro. Auf dem Boden prangte ein fahler grüner Teppich und der Lärm war augenblicklich auf ein Schweigen reduziert. Eine große offene Fläche in der Mitte war an den Seiten bestückt mit einigen Sekretärinnen an ihren Tischen. Auch hier waren Topfpalmen, nur kleiner und ordentlicher als die im Rezeptionsbereich. Vier Türen waren an der Seite des Raumes, drei von ihnen jeweils hinter einem der Schreibtische und die letzte eindeutig mit dem Erscheinungsbild einer Vorstandstoilette.

Ich konnte Kaffee riechen. Zu meiner rechten war eine Reihe leichter Stühle um einen Kaffeetisch gruppiert. Auf dem Tisch waren zwanglos, jedoch sorgfältig ein paar Zeitschriften platziert und daneben, auf einem niedrigen Bücherregal, wurde eine gläserne Kaffeekanne von einer kleinen blauen Flamme erhitzt.

"Wollen wir uns hierher setzen und einen Kaffee trinken?" fragte das ‚große Tier' die Dame. Ich war schon auf dem Weg zu dem Stapel mit Kaffeetassen und Sahnekännchen. "Nein, wir gehen besser in Ihr Büro" sagte die Dame.

Ich seufzte.

Seine Tür war die in der äußersten Ecke. "Keine Anrufe bitte" sagte er zu einer der Sekretärinnen, als er an ihr vorbeikam. Als ich an ihr vorüberging, warf ich ihr meinen allerflehendsten ‚ich brauche Kaffee Blick' zu. Ich glaube, sie interpretierte ihn als eine Erklärung amouröser Absichten, weil sie ihren Kopf schüttelte und besorgt mit ihrem Finger drohte. Er öffnete die Tür zu seinem Büro und führte uns hinein. Auf seinem Tisch war ein schmales Messingschild mit der einfachen Aufschrift ‚C Stern, Vorstands Vize Präsident'. Auf einem Nebentisch stand eine elektrische Kaffee-Maschine mit einer Edelstahlkanne. Meine Nase erkannte das Aroma ohne Einleitung ... es war Sears eigene Bolivianische Premium Mischung. Ich war im Kaffeehimmel angelangt und war mehr als erfreut, einen Stuhl direkt daneben angeboten zu bekommen.

"Womit kann ich dienen?" sagte er, uns beide mit einem etwas besorgten Blick ansehend. Mag sein, dass er dachte, sein Job stünde auf dem Spiel.

Die Frau stellte mich vor, erklärte, dass sie John suchte und ihren Buick, und dass ich dachte, beider Verschwinden hinge mit dem Flash Projekt zusammen. Er hob seine Augenbrauen in dem Moment, als sie das erwähnte. "Es geht in Ordnung" sagte sie "ich traue ihm, würden Sie ihm bitte einige Fragen beantworten" Er wirkte etwas unbehaglich, nickte aber gnädig sein Einverständnis.

"Warum denken Sie, dass hinge zusammen?" fragte er mich. Es war eine gute Frage, jedoch eine, auf die ich nicht wirklich eine Antwort hatte. Ich hatte nur einen starken Verdacht, weil alle Vorkommisse um dieses geheime Projekt herum stattfanden und nichts anderes war ersichtlich. "Tut mir leid, das kann ich nicht beantworten. Falls hier eine kriminelle Handlung vorliegt, würde der Staatsanwalt nicht wollen, dass ich zuviel preisgebe bei diesem Stand der Dinge" Ich versuchte beeindruckend zu klingen, aber ich wusste, er würde es mir nicht abkaufen. Er sagte nichts, aber mein Ansehen sank bei ihm in den Keller.

Keller. Das Untergeschoss interessierte mich noch immer. Und auch der Kaffee. Mochte die Dame keinen Kaffee wollen, ich tat es. Zur Hölle mit den guten Manieren, ich war mir sicher, es würde ihn nicht stören, wenn ich mich selber bediente. So lässig es ging, weil beide ihr Augenmerk auf mich gerichtet hatten, griff ich nach einer Kaffeetasse auf dem Sitebord und stellte sie richtig herum hin. "Was befindet sich im Untergeschoss?" fragte ich, als ich nach der Kaffeekanne griff.

Er öffnete seine Hände, so als wollte er zeigen, dass er nichts zu verbergen hatte, "Nicht viel, nur ein paar Maschinen und unser Computer" Die Kaffeekanne war leichter, als sie es hätte sein sollen.

"Chris... komm schon, Schatz, erzähl es ihm" schalt die Frau.

Er seufzte. Ich seufzte. Die Kaffeekanne war leer.

"Wir fertigen dort Versuchs- und Spezialwaffen für eine Reihe von... Regierungs-Agenturen." Er war sehr sorgfältig in seiner Wortwahl, aber ich wusste, er meinte CIA, FBI, OSI und andere unserer Geheimdienste.

"Was ist ein Computer?" fragte ich. Als er begann, es mir zu erklären, wurde ich nicht schlau daraus. Nach ein paar Minuten war ich seiner enthusiastischen aber unverständlichen nicht enden wollenden technischen Erklärungen müde und unterbrach ihn. "Ja, aber was tut er?"

"Wir verwahren die Pläne und Aufzeichnungen vom Flash Projekt darin" sagte er. OK, das konnte ich verstehen. Er füllte einen Schrank, der eine halbe Million Dollar kostete und brauchte zehn klimatisierte Räume und 30 Techniker, um zufunktionieren. Es schien mir reichlich unsinnig und es würde sich niemals durchsetzen, dessen war ich mir sicher.

"Und sie sagen, dass alles wäre im Keller, zur Rückseite des Gebäudes, in Räumen, die keine nach außen führenden Türen haben?" Er nickte. "Was ist mit Fenstern?" fragte ich.[engl.: windows] "Nein, wir benutzen kein Windows auf unserem Computer" antwortete er "das würde ein Sicherheitsrisiko bedeuten und, seien wir ehrlich, es braucht keinen großen Stein, um Fenster zu zerbrechen. [pun: to crash windows]."

Ich hatte ein Gefühl, einen Blick in die Zukunft zu tun, aber ich wusste nicht warum. Ich stellte die Kanne zurück auf die Platte. Vielleicht war dieser Ausflug nach Tulsa keine so gute Idee gewesen. Man gibt nicht eine halbe Million Dollar für einen netten Datenspeicher aus, und lässt dann die Hintertür weit offen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren gut, wie ich wusste. Aber jemand hatte es auf etwas abgesehen, von dem er dachte, die Dame hätte es und das einzig in Frage kommende war das Flash Projekt.

"Wer hat Zugang zu den Plänen für dieses Flash Projekt?" fragte ich beide. Er lachte. "Jedermann," sagte er "wir haben Anfang des Jahres Risszeichnungen davon in Comic-Heften veröffentlicht." Ich dachte, er würde scherzen, aber etwas in seinen Augen sagte mir, er meinte es ernst.

Er fuhr fort. "Das Außenministerium bat uns darum, damit die Russen sehen sollten, was wir haben und sie nicht. Sie baten uns, alte Zeichnungen zu verwenden, bevor wir einiges modifiziert hatten. Falls die Russen versucht haben sollten, es nachzubauen, hätten sie es nicht zum Laufen bekommen und es hätte eine Menge ihres Budgets gekostet. Und falls sie denken, dass unseres funktioniert und ihres nicht, wird es die Bewunderung der Spitzen-Akademiker des Kremls vertiefen und vielleicht machte es sie abgeneigter andere Forschungs- oder Waffen-Projekte zu verfolgen, auf die sie aus sein mögen. Wir gewinnen so oder so."

Ich war fassungslos. Der Bursche erzählte mir, wir hätten ein Staatsgeheimnis in einem Kinder Comic verraten, sodass wir absichtlich die Russen glauben machten, wir hätten etwas, dass wir nicht hatten. Es machte keinerlei Sinn. Oder machte es doch? In diesem verrückten Kalten Krieg ging es nur um Bluff und Gegenbluff, Ja, wir lebten in einer verrückten Welt, und in dieser verrückten Welt machte es Sinn... das wahre Geheimnis war, dass Flash nicht funktionierte.
Das Militär war dabei, das Projekt fallen zu lassen, so war der einzige Weg, Nutzen daraus zu ziehen, die Russen davon zu überzeugen, dass es tatsächlich funktioniert und in Benutzung ist, und diese Schnellfeuer-Waffen ihnen an der Berliner Mauer oder sonst wo, vorgeführt wurden. Falls die Russen es nachbauen, würden sie feststellen, dass es bei ihnen nicht funktioniert. Und falls sie es zum funktionieren bekämen, würden sie feststellen, dass es ihre Waffen im Nu verschleißen würde. Es war clever, das musste ich zugeben.

Aber der Plan hatte einen Makel.

"Weiß John, der Chauffeur, dass das Projekt nicht arbeitet?" fragte ich sie.

"Ja, er weiß von den Anfängen" sagte sie, "er hat sicher unsere Diskussionen im Wagen mitgehört. Aber, Mike, da ist noch etwas, dass ich Ihnen nicht gesagt habe. Das Projekt kann funktionieren. Einer unserer Wissenschaftler entwickelte einen Plan, mit dem es klappen kann und welcher die Abnutzungs-Probleme reduziert."

"Weiß John davon?" Ich sah ihr direkt in die Augen. Sie war dabei, mir eine schnelle und verneinende Antwort zu geben, als plötzlich der Anflug eines Zweifels ihr Gesicht überschattete und dann erhellte Gewissheit den Glanz dieser ihrer wundervollen Augen und einmal mehr verliebte ich mich in sie. "Ja, er weiß es!" rief sie überrascht von ihrem eigenen Eingeständnis. "Ich teilte es Daddy über das Autotelefon mit letzte Woche. Ich erzählte ihm, dass mir die neuen Pläne zur Verwahrung übergeben worden wären"

"Haben Sie sonst etwas zu ihrem Vater gesagt?"

Sie überlegte dieses Mal sorgfältiger, bevor sie antwortete. "Er fragte mich, was ich von den neuen Plänen hielt, falls das Militär kein Interesse mehr für das Projekt zeigen würde. Ich sagte ihm, dann wäre es ‚ein Schuss in den Ofen'." [ hier: ...wäre alles im (Klo-)Eimer]

Das war das ‚Eckteil' vom Puzzle, dass mir fehlte. Also war es John, der uns die ganze Zeit über gefolgt war, auf der Suche nach den revidierten Plänen, um sie an seine Auftraggeber im Spionagegeschäft zu liefern. Alles was zu tun blieb, war ihn zu finden.

"Und wo befinden sich diese Pläne jetzt?" fragte ich sie.

"Ich hatte sie in meinem Apartment aufbewahrt" sagte sie "aber als John verschwand und all diese anderen Dinge passierten, verbrachte ich sie in ihr Büro. Ich versteckte sie in ihrem Aktenschrank, während Sie sich meine Bluse auszogen."

Das ‚große Tier' machte ein schnappendes, würgendes Geräusch. "Äh, Ähm, soll ich Ihnen einen Kaffe bringen lassen?" fragte er mich. Er sah plötzlich nicht mehr ganz so groß aus.

"Nein Danke" sagte ich, "wir müssen schnellstens nach New York zurück."


23. Eine rechtzeitige Mahnung.
"Chris, würden Sie bitte ihre Sekretärin anweisen, bei unserer RP-Firma anzurufen, damit sie dort Projekt Big Gun für mich bereitstellen?"
Er nickte ihr zu und damit stand er auf, sie beugte sich vor und küsste ihn auf die Wange "Ich habe zu fliegen, sehe dich später, Schatz" sagte sie.

Während ich aufstand, ermahnte ich mich, dass ich hier war, um einen Job zu erledigen. Falls ich ihn vierteilen würde, die offenen Wunden mit Essig übergießen, jedes der vier Teile bei lebendigem Leibe in Öl sieden würde und dann mit Spikes auf seinen sich noch windenden Teilen für siebzehn Stunden herumtrampelte, würde ich vielleicht nicht meine Rechnung bezahlt bekommen. Ich schritt ihr voran und sagte zu mir selbst, das alles geschähe meinem Glaser zuliebe.

Ich konnte hören, dass sie mir folgte, bemüht, zu mir aufzuschließen, weil ich nun weit und stramm ausschritt, durch das Vorzimmer hindurch, weder links noch rechts schauend, bis zur Bürotür. Dann war ich draußen und die Stufen hinunter, keine Spur mehr von Neugier über das Untergeschoss, ich wollte nur noch raus aus diesem Gebäude. Der untere Korridor war ohne besondere Merkmale und ich war kurz unsicher, welches der richtige Ausgang zur Rezeption war, dann sah ich ein Notausgang-Schild über einem Ausgang und nahm richtigerweise an, das er es war.
Ich riss die Besucher-Marke ab, die ich vorhin erhalten hatte und warf sie auf den Tresen der Rezeption. Das Mädchen stutzte and sah aus, als ob sie etwas sagen wollte. Ich hielt mich nicht damit auf, es zu hören. Die Tür, durch die ich gerade gekommen war, schwang auf und die Dame kam mir folgend hindurch. "Mike, warten Sie!" rief sie außer Atem aus, aber ich ging durch die Schwingtüren und hinaus in einen neuen Schauer, den Oklahoma nur für mich regnen ließ.

Ich ging diese Stufen hinunter, ohne darüber nachzudenken, wie schnell meine Beine und Füße waren. Ich glaube, hätte ich über die Technik des Gehens nachgedacht und den Schmerz, den ein gebrochenes Bein verursacht, wäre ich ein wenig langsamer geworden und vorsichtiger, aber ich wollte nicht denken. Ich wollte nur weg. Meine Füße trugen mich sicher zum unteren Ende der Treppenflucht. Aus Gewohnheit hielt ich Ausschau nach meinem alten, zerbeulten Auto, bevor mir einfiel, dass ich den Chevy gemietet hatte.

Während ich in meiner Tasche nach den Schlüsseln suchte, kam die Dame so schnell sie konnte, die Stufen hinunter. "Mike, würden Sie bitte einen Moment warten!" Ich dachte plötzlich, sie sollte diese Treppe nicht so schnell nehmen, wie ich es getan hatte, dass sie vielleicht stolpern und ausrutschen könnte in diesen hochhackigen Schuhen und sich verletzen. Ich wirbelte herum und bewegte mich rasch auf die Treppe zu, um sie unten am Ende der Stufen aufzufangen, auch wenn sie nicht fiel. Verdammt, ich wünschte, ich hätte das alles nicht getan. Nun hatte ich meine Gefühle offenbart.

Was waren meine Gefühle? Ich war verletzt über etwas, zu dem ich nicht das Recht hatte. Ich ärgerte mich über mich selbst deshalb. Die Dame hatte nichts Falsches getan. Es war allein mein Problem.

Sich in meinen Armen findend, obgleich es keine richtige Umarmung war, hielt sie kurz inne und tat einen tiefen Atemzug, bevor sie sprach. "Mike" sagte sie langsam "er ist nur ein Freund. Das ist alles."

Ich sagte nichts, traute mich nicht zu reden. Ich hatte gesehen, wie sie ihn küsste, hatte ihre Worte gehört, ich ließ mich nicht zum Narren halten. Ich gab ihr einen missbilligenden Blick und sofort wünschte ich mir, ich hätte es nicht getan. Nun musste ich etwas sagen, um mich für meinen Blick zu entschuldigen.

"Es hat nichts mit mir zu tun" sagte ich "Sie haben ein Privatleben, an dem ich nicht teilhabe. Ich bin nur irgendein Detektiv, den sie für einen Job gemietet haben."

Sie sah mich an, als ob etwas in meinen Worten sie verletzt hatte. Ich war verwirrt, weil mir nicht klar war, was das gewesen sein könnte, oder warum sie vielleicht verletzt war. Sie warf mir diesen verletzten Blick noch für den weiteren Bruchteil einer Sekunde zu und sah dann hinunter zu ihren Füßen. Nein, warte... sie ‚zeigte' nicht, dass sie verletzt war, es stand auf ihrem Gesicht zu lesen, es war nichts, dass sie absichtlich zeigte, damit ich es sah. Sie war wirklich verletzt.

"OK" sagte sie "wie Sie wollen. Kommen Sie, lassen sie uns zum Flugplatz fahren."

Ich wusste nicht, was ich denken oder tun sollte. Ich stand nur einfach da. Etwas Wichtiges geschah zwischen uns und ich konnte nicht herausfinden, was es war. Ich war einfach zu beschränkt, um zu sehen, was hier vor meinen Augen passierte. Einzig, dass ich rundum zu dumm für sie war. Dennoch hielt mich ein Gedanke davon ab, mich zu bewegen, etwas in mir wollte so sehr glauben, dass ich etwas Besseres für sie sein konnte. Dem entgegen, was ich war, wollte ich doch für sie jemand Wichtiges sein.

Ich drehte die Autoschlüssel in meiner Hand um und um. Ich wusste in meinem Herzen, dass ich nichts gegen meine Dummheit unternehmen konnte, außer damit zu leben. Ich schloss die Beifahrertür auf und hielt sie für sie auf. Sie setzte sich ohne ein Wort hinein, hielt ihren Kopf gesenkt und verbarg ihre Augen vor meinen. Die Wachposten winkte uns durch das Tor und ich fuhr uns hinaus zum Flugplatz.

Die Scheibenwischer kehrten den Regen von der Windschutzscheibe, aber nichts konnte den Regen aus meinem Herzen bringen.

"Was, zum Henker, ist ‚Projekt Big Gun'?" fragte ich sie.



HelpLineLinksgreetz Ed

 
 Respond to this message   
 Copyright © 1999-2009 Network54. All rights reserved.   Terms of Use   Privacy Statement